Review

Ließ sich der Keyboarder Seb H. mit diversen Gothic Metal Bands (wie Sun of Sadness oder Killing Suzy) bisher zumeist in der Undergroundszene verorten, machte er sich von 2009 bis 2016 als Mann an den Tasten bei Mantus einen Namen. Nun ist es für den Kölner Musiker an der Zeit, seine Visionen vom Dark Electro an die Hörer zu bringen. Entsprechend erblickt sein Debütalbum „What We Have Lost“ unter der Flagge seines Soloprojekts Necrotekk das Licht der Musikwelt.

Nach einem Blick auf das Artwork und dem Erklingen der ersten Verse des Openers „Kingdom“, in denen es heißt „Leather, latex, bondage, passion / Everything granted for submission / Devotion, desires and attraction / All created for distraction“, läuten zunächst die Klischee-Alarmglocken auf. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, denn „What We Have Lost“ hat definitiv mehr zu bieten.

Abwechslungsreich setzt Necrotekk seinen Dark Electro mit mal mehr und mal weniger starkem Darkwave-Einfluss um und präsentiert auf dem Erstlingswerk zehn Songs, die stets zu überraschen wissen. Ob Tanzbegeisterte, Nostalgiker oder Melancholiker – sie alle werden hier gut bedient werden. Noch dazu zaubert Necrotekk mit Titeln wie „Dark Dark Dark“ oder „To Find Someone“ den einen oder anderen Ohrwurm, die es wohl auch in die Dauerrotationen der schwarzen Clubs schaffen dürften.

Etwas gewöhnungsbedürftig im Kontext des überwiegend mitreißenden Albumgeschehens erklingt schließlich das Instrumentalstück „Realms“. Darin bedient sich Necrotekk neoklassischer Elemente und ruft eine Extraportion düstere Grundstimmung hervor. Wie bereits in vielen Songs zuvor, bekommen auch hier teils raffinierte elektronische Einsprengsel ihren Platz; ausgebreitet auf einer Songlänge von 5:04 Minuten wirkt der Track jedoch vor allem durch die sich wiederholenden Strukturen und Melodien zu monoton.

Necrotekk (Copyright: Necrotekk)

Eventuell kann „Realms“ auch deshalb weniger überzeugen, da der Hörer die über Albumlänge inzwischen lieb gewonnene Gesangsstimme vermisst. Benötigt jene zu Beginn noch ein wenig Einhörvermögen, punktet sie im weiteren Albumverlauf durch das dunkle Timbre und einen vielseitigen Einsatz. Wird in einem Song der Gesang verzerrt dargeboten und unterstützt damit beispielsweise den harschen Grundton eines Songs wie „Kassandra“, tritt er an anderer Stelle lethargischer auf und kratzt beinahe mehr am gesprochenen statt gesungenen Wort. Auch in Gothic-lastigeren Titeln fügt sich die Leadstimme sehr gut ein, die darüber hinaus die Stimmung der einzelnen Tracks solide an die Hörer transportieren kann.

Obwohl Necrotekk mit dem Debütalbum „What We Have Lost“ bereits gut abliefert, darf der Musiker zukünftig gerne noch etwas mutiger zu Werke gehen. Dass er verschiedene Stile harmonisch zu kombinieren versteht, stellt er hier zwar schon unter Beweis, trotz Underground-Charme wird aber noch zu sehr auf Nummer sicher gegangen. Der Hörer wird es ihm insofern jedoch danken, da die Mehrheit der Tracks einen hohen Wiederspielwert besitzt. Abschließend sei daher gesagt: Je öfter der Silberling seine Runden im Player dreht, desto gefälliger wird er.

Video

Tracklist

01 Kingdom
02 Dog With Two Bones
03 Torn
04 Dark Dark Dark
05 The Way
06 To Find Someone
07 Kassandra
08 Shiny Black And Cold
09 Realms
10 Asela

Details

Necrotekk – Bandcamp
Necrotekk – Facebook

Label: Sonic-X / Altone
Vö-Termin: 06.04.2018
Spielzeit: 47:06

Copyright Cover: Sonic-X



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde