Review

„Schalte den Kopf aus, begib dich in deine Traumwelt, hör dir unsere Musik an und genieß die Songs“, empfiehlt Chris Motionless, Frontmann der Band Motionless In White, für das aktuelle Album „Graveyard Shift“.

Schon der Opener „Rats“ macht diesbezüglich deutlich, dass „genießen“ hier definitiv nicht im Sinne von einem entspannten Hörvergnügen verstanden werden kann, denn aufwühlend und teils mit einer energiegeladenen Aggro-Attitüde präsentiert die Band aus Pennsylvania ihren elektrolastigen Metalcore-/Industrial-/Nu Metal-Trip, der bereits andeutet, dass Motionless In White nicht im generischen Metalcore-Genre verharren, sondern abwechslungsreich mit weiteren Stilelementen jonglieren.

Doch nicht nur stilistisch neigt man zur gelungenen und harmonisch wirkenden Experimentierfreude. Auch mashup-artig ist die Band unterwegs, wie beispielsweise im Song „Necessary Evil“, der mit einem Gastauftritt von Jonathan Davis (Korn) daherkommt. Kurzerhand werden hier Parts des Pop-Klassikers „It’s My Party“ (im Original von Lesley Gore) in textlich passend abgewandelter Form integriert. Eine tolle Idee, dessen Umsetzung kritiklos glänzt.

Insgesamt wird der geneigte Hörer feststellen: Je länger das Album „Graveyard Shift“ läuft, desto interessanter wird es. Ein Highlight ist dabei vor allem der Song „Not My Type: Dead As Fuck 2“, der stilistisch beinahe gänzlich aus dem ansonsten schon großzügig angelegten Rahmen fällt. Leichte Assoziationen zu Lord Of The Lost werden dabei wach, doch stellt man den Titel nicht umgehend auf Repeat, überraschen Motionless In White bereits mit dem folgenden Song „The Ladder“ auf ein Neues und lassen den Hörer erst einmal überprüfen, noch dasselbe Album im Player zu haben. Der Härtegrad nimmt hier deutlich zu, gutturale Elemente finden verstärkt ihren Einsatz und jeder, der ein Ventil zum Aggressionsabbau benötigt, wird damit sicherlich fündig werden. Trotz des Tempos und der Härte des Songs verliert dieser jedoch zu keinem Zeitpunkt seinen Reiz und – gerade im Refrain – auch nicht seine Melodiestärke, mit der Motionless In White auch in ihren anderen Songs auf „Graveyard Shift“ glücklicherweise nicht sparsam umgehen.

Motionless In White (Copyright: Jonathan Weiner)

Eventuell ist dies auch ein Grund dafür, das Album insgesamt als „kommerziell“ ausgerichtet anzusehen. Ein eher negativ behafteter Begriff, der in Bezug auf Motionless In White jedoch als Kompliment zu verstehen ist, denn ein auf den Punkt gebrachtes Songwriting und einige potenzielle Hits, die mit zurückgeschraubtem Härtegrad auch eine breite Masse an Zuhörern ansprechen könnten, katapultieren das Album an die vordersten Stellen der Hörer-Playlists.

Verfechter von waschechten Genre-Produktionen – in diesem Fall allen voran die Metalcore-Fans – könnten Anstoß an den dominierenden elektronischen Beigaben nehmen und auch darüber hinaus die hier gebotene Abwechslung nicht gutheißen. Wer es aber nicht strikt nach Genre-Bauplan braucht, der kommt mit „Graveyard Shift“ vollkommen auf seine Kosten. Ein mitreißendes, energiegeladenes Album mit Dauerrotation-Garantie.

Video

Tracklist

01 Rats
02 Queen For Queen
03 Necessary Evil (feat. Jonathan Davis)
04 Soft
05 Untouchable
06 Not My Type: Dead As Fuck 2
07 The Ladder
08 Voices
09 Loud (Fuck It)
10 570
11 Hourglass
12 Eternally Yours

Details

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Label: Roadrunner Records / Warner Music
Vö-Termin: 05.05.2017
Spielzeit: 48:12

Copyright Cover: Roadrunner Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde