Review

Singen für den Weltfrieden und als musikalischer Ausdruck von der Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Menschlichkeit – damit schaffte es einst Nicole mit dem Song „Ein bisschen Frieden“ beim Eurovision Song Contest 1982 auf Platz 1. Auch die Wiener Sängerin Morgaine schwenkt die weiße Flagge und drückt ihre Leitgedanken und ihre Suche nach einer besseren, friedlicheren und liebevolleren Welt musikalisch sowie textlich auf ihrem Album „Wir sind eins“ aus. In Zeiten wie diesen ist dies gleichsam ambitioniert wie dringend nötig. Und recht hat sie mit ihrem Titel, denn „Wir sind eins“, doch leider bleibt Morgaine mit ihrer Musik wohl letztlich ziemlich alleine.

Sehr ruhig, zart und besonnen fällt das Album der konsequent vegan und straight edge lebenden Künstlerin aus, und es ist nicht allzu weit hergeholt, sie als eine moderne Fassung von Nicole zu bezeichnen, die ähnlich klingt wie Silbermond, wenn jene ihr Akustikset auspacken. Dabei gibt sich Morgaine sehr vielseitig: Folk-, Weltmusik- und Ethno-Elemente treffen in dem Liedgut der Singer-Songwriterin aufeinander. Akustikgitarren gesellen sich zu Geigen, Klaviermelodien begleiten die gefühlvolle Stimme – alles bedingt sich gegenseitig und fügt sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Als einziger Song sticht der Bonustrack „Es ist an der Zeit“ aus diesem harmonischen Gefüge besonders heraus, mit dem (durch Gastsänger Kaveh) Rap Einzug auf das Album „Wir sind eins“ hält. Damit überschreitet Morgaine stilistische Grenzen und spiegelt die Bedeutung ihres Albumtitels auch musikalisch wider.

Die deutschen Texte dringen aber nicht nur im Rap-Bonusstück deutlich an die Hörer und verfehlen mit passender instrumentaler Begleitung ihre Wirkung nicht. Inhaltlich legt Morgaine diesbezüglich ihre Gedanken stets sehr offen und ihr Herz dem Hörer zu Füßen. In Kombination mit der Zartheit der Musik entsteht somit ein fragiles Hörerlebnis, das es vor allem etwaigen Rezensenten unheimlich schwer macht, bewertet zu werden.

Morgaine (Copyright: Morgaine)

Morgaine (Copyright: Morgaine)

Inhaltlich gibt es hier nichts zu kritisieren. Persönlich, fast schon intim und tiefgründig geht Morgaine bezüglich ihrer Weltverbesserung als gutes Beispiel voran, nimmt dabei aber nicht nur eine glaubwürdige und nachahmungswürdige Vorbildfunktion ein, sondern verliert sich ebenfalls nicht in Plattitüden und vermittelt darüber hinaus immer auch ein wenig Hoffnung und Mut.

Auf Albumlänge könnte man ihrem Werk jedoch vorwerfen, zu eintönig und aufgrund der ruhigen Machart zu unspektakulär oder gar langweilig zu klingen. Da sich musikalisch hier nur jene Hörer angesprochen fühlen werden, die mit dieser extrem ruhigen und sanften Art zu musizieren etwas anfangen können, wird es für Morgaine schwer sein, sich bei einer breiten Masse mit ihren wichtigen Themen Gehör zu verschaffen. Doch getreu ihrer Auffassung, „Kriege beginnen schon im Kleinen und in uns selbst“, ist es für sie vielleicht bereits ein großer Erfolg wenige, diese dann aber vollkommen zu erreichen. Ein authentisches Werk ist „Wir sind eins“ allemal.

Tracklist

01 Intro (Mama Gaia)
02 Sternenkinder
03 Für eine bessere Welt
04 Märchenland
05 Goldener Kreis
06 Der See
07 Wir sind eins
08 Ich werd dich immer lieben
09 Lass los
10 Tochter der Wildnis
11 Wolfsliebe
12 Seelenplattenbau
13 Weltfriedensutopie
14 Es ist an der Zeit (feat. Kaveh)

Details

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Label: Digitale DissidenzDanse Macabre
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 68:33

Copyright Cover: Digitale Dissidenz



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde