Review

Mit dem Debütalbum „Unexpected Truth Within“ lässt das Electropop-Trio M.I.N.E von sich hören.
Das Material ist neu, doch die Mannen des Projekts dürften für die meisten alte Bekannte sein, denn hinter dem Namen M.I.N.E stecken Camouflage-Sänger Marcus Meyn, Fools Garden-Gitarrist/Komponist Volker Hinkel sowie Schlagzeuger, Keyboarder und Produzent Jochen Schmalbach (u.a. Depeche Mode oder a-ha).
Und so „gilt [auch laut Band selbst] für M.I.N.E die [logisch-konsequente] Losung: alt vertraut aber neu!“

Aufgrund ihrer Erfahrung und bisher erzielten Erfolge müsste es für das Profi-Trio ein Leichtes sein, kommerziell starke Hits am laufenden Band zu kreieren. Doch M.I.N.E gehen auf „Unexpected Truth Within“ nicht den bequemen Weg, sondern geben ihrer Leidenschaft zur Musik und vor allem ihren musikalischen Visionen den Vortritt. Das Ergebnis sind zwölf Songs, die wider Erwarten nicht immer prompt eingängig ausfallen, dafür aber die Bandbreite der Band widerspiegeln und mit vielen interessanten Momenten aufwarten. Es gibt auf „Unexpected Truth Within“ demnach viel zu entdecken; langweilig wird es somit über die Spieldauer von knapp 52 Minuten nicht.

Und so eröffnet der Song „The One“, der im Vorfeld der Albumveröffentlichung gleichsam als erste Single diente, „Unexpected Truth Within“ mit einem gitarrenlastigen Ohrwurm, bevor es in „Same But Different“ fast schon minimalistisch und sphärisch zugeht, während die Vocals hier im Vordergrund stehen. Elektronisch-tanzbar setzt „MeOrMy“ das Album energetisch weiter fort, das sich mit Titeln wie „Undone“ zudem an den guten alten 80ern orientiert und das daraus entstehende Flair mit modernen Sounds interpretiert. Mit treibenden Drums und Groove wartet schließlich ein Track wie „Lean On“ auf, ohne die elektronische Basis zu sehr außer Acht zu lassen. Mit „Things We’ve Done“ und „Wonder“ folgen weitere begeisternde Nummern, die sich sofort im Kopf festsetzen, bis am Ende sogar eine Klavierballade mit Akustikgitarrenpart und gefühlvollem Gesang („A World Without A Smile“) sowie ein ebenfalls von einer Akustikgitarre getragenes Outro („Leave And Let Go“) einen sowohl ruhigen als auch unerwarteten Abschluss dieser Electropop-Scheibe bilden.

M.I.N.E (Copyright: Flo Kollmer)

Einziger Kritikpunkt: Stellenweise hätte der Gesang noch etwas mehr Gefühl vertragen können. Dass Marcus Meyn dazu fähig ist, zeigen nicht nur seine Sangeskünste bei Camouflage, sondern auch Titel wie das hier beispielsweise anzutreffende „A World Without A Smile“. Was dabei stimmlich an Seele in den Song gelegt wurde, hätte auch an anderen Stellen, wo es gesanglich „genretypischer“ zugeht, seinen Platz passenderweise finden können.

Obwohl oder gerade weil M.I.N.E nicht auf Nummer sicher gehen und ihre Tracks nach Schema F konzipieren, aber dennoch ein Händchen für funktionierende Songs haben, entsteht letztlich ein Debütalbum, das auch nach mehrmaligem Hören noch mitzureißen weiß. Dabei verbergen sich hier sowohl einige Club- und Radiohits als auch spannende Songs, die durch kreativ integrierte Synthies überzeugen, sodass „Unexpeted Truth Within“ sowohl jene Electro-Fans bedient, die es einfach und auf den Punkt haben wollen, als auch die, denen es nach innovativen Ideen im Genre verlangt.

Video

Tracklist

01 The One
02 Same But Different
03 MeOrMy
04 Undone
05 The Things We Have Done
06 Lean on
07 Wonder
08 Dangerous
09 White Trash
10 Reach Out
11 A World Without A Smile
12 Leave And Let Go

Details

M.I.N.E – Homepage
M.I.N.E – Facebook

Label: Oblivion / SPV
Vö-Termin: 25.05.2018
Spielzeit: 51:54

Copyright Cover: Oblivion / SPV



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde