Review

Ein Albumtitel, der „Dark Days & Bright Nights“ lautet, ein Albumcover, das ein verschmelzendes Yin Yang (passend zum Titel bestehend aus Sonne und Mond) darstellt, und die typischen Metaphern von Licht und Schatten, dunkel und hell, gut und böse – das alles klingt nicht nur nach einem stimmigen Konzept, es verursacht bei dem einen oder anderen vermutlich gleichsam ein nur müdes Gähnen, denn neu ist dies alles natürlich nicht. Doch was Luna Rise daraus konstruiert haben, kann sich auf ihrem ersten Longplayer, aufgeteilt in sechs den „Dark Days“ und sechs den „Bright Nights“ zuzuordnenden Songs, durchaus hören lassen.

Nach ihrer neu aufgelegten Debüt-EP „Smoking Kills But Love Can Break A Heart“ über NRT-Records im März dieses Jahres waren die Erwartungen groß und die Neugier mehr als geweckt, was die fünf jungen Oberösterreicher auf Albumlänge wohl zum Besten geben würden. Das Ergebnis sind zwölf Songs, die sich nicht nur auf die bewährten Trademarks des typischen Gothic Rock beschränken, sondern zudem zahlreiche weitere Einflüsse, darunter progressive Strukturen und Hard- bzw. Glam-Rock-Anleihen erkennen lassen. Dadurch orientieren sich Luna Rise zwar an Szenegrößen wie beispielsweise H.I.M., bringen aber zudem eine gehörige Portion Eigenständigkeit mit. Und die kommt sehr energiegeladen und frisch beim Hörer an.

Den Beginn machen sogleich drei absolute Ohrwürmer: „Demons Inside“, „RZRKT“ und „Valentine“.
Erst temporeich und hart, dann temporeich und härter mit leichten Emo-Zügen, wie die Textpassage „The razorcut caught me again … the razorcut caught me“ assoziieren lässt, und schließlich ein Top-Ten-Anwärter – so wissen sich Luna Rise bereits in der Eröffnungsphase ihres Albums zu steigern.

Nicht minder eingängig folgt „Dancing With Tears In My Eyes“. Dies ist jedoch nicht unbedingt der Band selbst zu verdanken, sondern vielmehr Ultravox, die einst in den 80ern mit diesem Titel mehrere Top-Chartplatzierungen einheimsen konnten. Jene Nummer nehmen sich Luna Rise nun vor, arrangieren das Ganze mit dem Schwerpunkt auf die Gitarren um und zaubern damit eine eigene Handschrift tragende Version des Klassikers ab, dem es auch an den einen oder anderen Synthi-Effekten nicht mangelt.

Bis dato ein mehr als ordentlicher melodielastiger, dark/goth-rockiger Sound, der jedoch erst einmal aufgedreht werden will, um all die Feinheiten erkennen zu lassen, denn recht leise wurde „Dark Days & Bright Nights“ scheinbar aufgenommen. Ein Kritikpunkt, den sich schon die EP-Wiederveröffentlichung gefallen lassen musste. Reguliert man jedoch manuell nach, so kommt man auch in den Genuss der energiegeladenen und druckvollen Produktion.

Dann jedoch stellt man ebenfalls fest, dass einige progressive Zusätze zwar nett sind und das handwerkliche Geschick der Band verdeutlichen, jedoch kaum notwendig gewesen wären, da sie oftmals die Melodiestärke eines Titels kappen. Immerhin integrieren Luna Rise diese entweder so dezent, dass sie den meisten Hörern kaum auffallen werden, oder aber sie finden ihren Platz in Gitarrensoli, die der künstlerischen Freiheit zuzuschreiben sind.

Ebenso ergeht es den Stimm- und Soundeffekten sowie Samples. Der Einsatz einer Talkbox oder partielle Verzerrungen beim Gesang und die Samples sind sicherlich nette Zugaben, doch auch hier hätte sich die Band auf ihr Talent verlassen können und derlei Extras (u.a. dank der gut und dicht platzierten Backingvocals) gar nicht gebraucht. Kann man also machen, muss man aber nicht.

Luna Rise (Copyright: Kristin Mueller)

Luna Rise (Copyright: Kristin Mueller)

Obschon alle Titel auf „Dark Days & Bright Nights“ überzeugen, sind ferner die Songs „The Secret In You“, „Silent Screams“ und „Until The Stars Have Come“ explizit hervorzuheben.
Während Sänger Chris Divine in „The Secret In You“ schluchzt wie die ganz Großen, dafür aber die Melodie und Eingängigkeit aufgrund der extremen instrumentalen Reduzierung zum Großteil auf der Strecke bleiben, reißt „Silent Screams“ den Hörer wieder sofort mit und besticht durch seine Tempowechsel. Verstärkung am Mikro holten sich Luna Rise schließlich noch für „Until The Stars Have Come“. Das Duett mit Gastsängerin Melanie Hirner fährt zusätzlich phasenweise breite Synthieflächen auf, die den Track ebenso bereichern wie die weibliche Stimme.

Den Weg, den Luna Rise eingeschlagen haben, gilt es, weiterzugehen – mit genau der Portion Energie und Spielfreude, wie sie die Band auf „Dark Days & Bright Nights“ ausstrahlt. Ein starkes Debütalbum einer vielversprechenden jungen Truppe, die Goth Rock Fans im Auge behalten sollten.

Anspieltipps: 
Demons Inside / The Anthem Of The Night / Valentine / Silent Screams

Video

Tracklist

01 Demons Inside
02 RZRKT
03 Valentine
04 Dancing With Tears In My Eyes
05 For A Reason
06 The Secret In You
07 Silent Screams
08 Worshippin‘ Shadows
09 Until The Stars Have Come
10 In Your Arms
11 The Storm
12 The Anthem Of The Night

Details

Luna Rise – Homepage
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Luna Rise – Twitter

Label: NRT-Records
Vö-Termin: 12.06.2015
Spielzeit: 51:22

Copyright Cover: NRT-Records



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde