Review

Im konstanten Rhythmus von zwei Jahren veröffentlichen Lordi nun schon seit Jahren neues Material in Albumform. „Sexorcism“ heißt der aktuelle, inzwischen neunte Longplayer und man durfte gespannt sein, in welche Gefilde die Finnen ihre Hörer diesmal mitnehmen, sorgte doch ihr letztes Album „Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)“ diesbezüglich für eine faustdicke Überraschung.

Nach dem ersten Hören ist schnell klar, dass es auf „Sexorcism“ wieder ausschließlich traditionelle und typische Lordi-Songs zu hören gibt. Auf Experimente in musikalischer und songwriterischer Hinsicht wird größtenteils verzichtet. Von Heavy Metal bis Heavy/Hard Rock ist genretechnisch wieder alles vertreten, wobei insgesamt leider zu wenig Abwechslung geboten wird. Der oftmals liedhafte Refrain bildet allerdings den Dreh- und Angelpunkt des jeweiligen Songs. Mit mehrstimmigem Gesang und Bandshouts werden hier kleine Highlights gesetzt.

Apropos Gesang: Mr. Lordi gibt sich aktuell ausgesprochen flexibel und variantenreich. Neben seiner bekannten, kratzigen Reibeisenstimme versucht er sich diesmal auch in ungewohnt hoher Tonlage („Your Tongue’s Got The Cat“), lässt sein Organ verzerrt erklingen („Naked In My Cellar“) und offeriert zudem Screams („The Beast Is Yet To Cum“).

Das obligatorische SCG, diesmal in Form einer Bandaufnahme einer therapeutischen Sitzung, folgt erst in der Mitte des Albums. Die nachfolgenden Songs versprühen dann verstärkt das Flair von 80er Jahre Horrorfilmen und könnten so auch als Soundtrack ebendieser herhalten. Vor allem das etwas ruhiger angelegte „Slashion Model Girls“ wäre hierfür besonders prädestiniert. Das eingängige „Rimskin Assassin“ zeigt dann im Refrain einige Ähnlichkeit mit WASPs „Chainsaw Charlie“ und „Hell Has Room“ dürfte aufgrund des Backgroundgesangs Assoziationen zu Hammerfall wecken. Nach über einer Stunde Spielzeit ist der Ausflug in das sexualisierte Gruselkabinett dann beendet.

Mit ihrer 2018er Veröffentlichung „Sexorcism“ kommen Lordi leider nicht an ihre letzten Alben „Scare Force One“ und „Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)“ heran. Dafür ist musikalisch diesmal doch vieles zu solide, zu unspektakulär und vorhersehbar. Lordi springen auf das Marketingkonzept „Sex sells“ auf, indem sie dieses bei Album- und Songtiteln – zugegebenermaßen gekonnt – eindeutig zweideutig ausspielen. Das funktioniert bei Lordi und ihrem Hang zu Wortneuschöpfungen natürlich besonders gut. Diese kleine konzeptionelle Neuausrichtung hat sich allerdings, nimmt man Songs wie „Hug You Hardcore“ vom letzten Album, doch irgendwie angedeutet.

Lordi (Copyright: Lordi)

Das Material auf „Sexorcism“ wirkt nicht nur dadurch „erwachsener“. Die Songs werden ein wenig komplexer arrangiert und „ausgespielt“. Auf der anderen Seite verlieren sie hier und da an Eingängigkeit und benötigen den einen oder anderen Hördurchlauf mehr, um zu gefallen. Eine unterschwellig düstere Grundstimmung liegt über dem gesamten Album, die Texte sind expliziter. Die Zeiten des fröhlichen Kindergeburtstags mit Leute-Erschrecken sind (erst einmal) vorbei.

Alle Fans der finnischen Monsterrocker werden nicht enttäuscht werden und dürfen sich auf einen neuen Ausflug in die bösen Abgründe von Mr. Lordis Psyche freuen.

Video

Tracklist

01 Sexorcism
02 Your Tongue’s Got The Cat
03 Rome Ate Juliet
04 Naked In My Cellar
05 The Beast Is Yet To Cum
06 Polterchrist
07 SCG9: The Documented Phenomenon
08 Slashion Model Girls
09 Rimskin Assassin
10 Hell Has Room
11 Hot & Satanned
12 Sodomesticated Animal
13 Haunting Season

Details

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Label: AFM Records
Vö-Termin: 25.05.2018
Spielzeit:

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde