Review

Bereits mit ihrem Album „Empyrean“ bewiesen Lord Of The Lost ein Händchen für die Kreation spannender Konzepte. Besser geht nicht?! Doch, denn nun legt die Band um Chris Harms mit der aktuellen Veröffentlichung „Thornstar“ noch eine Schippe drauf.

In 13 Songs entführt das Quintett seine Hörer in einen aufwendig kreierten Mythos über die untergegangene Hochkultur der sogenannten Pangaen. Die Metaphorik von Licht und Schatten, verkörpert durch die Gottheiten namens Morgana und Haythor, spielt hierbei eine ebenso große Rolle wie der „Thornstar“, der dem sechsten Studioalbum von Lord Of The Lost nicht nur als Namensgeber dient, sondern darüber hinaus inmitten der hier erzählten Sage als Zerstörer der Erde und Erschaffer einer neuen Weltordnung fungiert; ein neues, androgynes Mischwesen, entstanden aus der Verschmelzung von Licht (Morgana) und Dunkelheit (Haythor).
Dabei ist der hier präsentierte Mythos nicht nur auf sich selbst beschränkt, sondern zudem auf die heutige Zeit und ihre gesellschaftlichen, politischen Zustände und sogar persönlichen Erfahrungen abstrahierbar. Zwar strikt konzeptuell ausgerichtet, liefert „Thornstar“ darüber hinaus somit viel interpretatorischen Spielraum.

Zu verdanken ist dies u.a. dem Songtexterkonglomerat, das sich gemeinsam mit Chris Harms der Idee des Masterminds angenommen hat. Entstanden sind in kreativer Zusammenarbeit Lyrics, die die Eingängigkeit der Songs unterstreichen und es dabei auch an inhaltlicher Tiefe nicht missen lassen.

Einer Ansage gleich legen Lord Of The Lost mit „On This Rock I Will Build My Church“ sofort gut los und vereinen dabei all ihre musikalischen Trademarks, die vom Fan und Hörer erwartet werden. Mit gewohnter Eingängigkeit und druckvoller Härte wird „Thornstar“ somit eröffnet, doch dabei belässt es das Quintett nicht. Und so fließen in ihren Dark Rock mit Industrial-Einschlag derbe Metal-Attacken und Synthpop-Klänge ein, mit denen sich die Band so facettenreich wie nie zuvor zeigt.

Auch auf instrumentaler Ebene geht es entsprechend abwechslungsreich zu. Die klassische Bandbesetzung erhält (nicht zum ersten Mal) Unterstützung durch Streicher und effektvolle elektronische Einsprengsel. Lord Of The Lost changieren dabei zwischen urwüchsiger Härte und sanften Tönen, während die Möglichkeiten dazwischen (zum Beispiel in Form von verstärkten Pop-Nuancen) ebenfalls ausgelotet werden.

Lord Of The Lost (Copyright: Franz Schepers)

Egal ob tanzbar, aggressiv, episch-bombastisch oder erhaben-gefühlvoll – Lord Of The Lost liefern hier einen überzeugenden Song nach dem nächsten ab. Teilweise erreichen einige Titel sogar einen „Cinematic (Metal)“-Anstrich, der den Hörgenuss einmal mehr fördert. Ihre Kreativität scheint unerschöpflich und auch nach Jahren des Bestehens gehen den Hamburgern die Ideen nicht aus. Ohne sich Grenzen zu setzen, sich aber trotz aller künstlerischen Freiheit hörbar treu bleibend, wissen sie immer wieder zu überraschen. So wundert es nicht, dass „Thornstar“ lange interessant bleibt und wieder und wieder seine Runden im Player drehen wird.

„Empyrean“ bescheinigten wir einst, ein facettenreiches Album mit großer Hitdichte zu sein, das an Tiefgang und Emotionalität nicht spart. Daher zogen wir folgenden Schluss: „Mehr und besser geht nicht!“
Nun gilt es, dieses Fazit auch für das aktuelle Album zu ziehen und es unsererseits dahingehend zu korrigieren, dass „mehr und besser“ bei Lord Of The Lost definitiv doch geht. Denn die Band beweist mit ihrer Schöpfungskraft auf „Thornstar“, dass sie sich selbst zu toppen imstande ist. Damit bleiben auch die nächsten Alben der Band (nicht nur) für Fans spannend und unberechenbar.

Video

Tracklist

01 On This Rock I Will Build My Church
02 Loreley
03 Black Halo
04 In Our Hands
05 Morgana
06 Haythor
07 Naxxar
08 Cut Me Out
09 The Mortarian
10 Under The Sun
11 In Darkness, In Light
12 Forevermore
13 Ruins

Details

Lord Of The Lost – Homepage
Lord Of The Lost – Facebook
Lord Of The Lost – Twitter

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 03.08.2018
Spielzeit: tba

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde