Review

Loewenhertz – ein Name, der kraftvollen, „brüllenden“ Electro versprechen könnte, sich aber mit dem Album „Echtzeit“ eher als Synthpop-Schlager entpuppt. Sowohl textlich als auch hinsichtlich des seichten elektronischen Grundtons könnte das Projekt fast schon Helene Fischer und Co. Konkurrenz machen, denn weder vom daher bekannten Kitsch noch vom Schmalz ist man hier leider nicht weit entfernt.

Schuld daran sind nicht selten die auf Deutsch verfassten Songtexte, die nicht nur sehr affektiert akzentuiert werden, sondern auch sehr gewollt gereimt, pathetisch und banal wirken.
Hört man dann aber erstmals einen Titel mit englischem Text, wie mit „It’s Too Late“ beispielsweise, dann wünscht man sich doch lieber die deutschen Lyrics zurück. Zwar kommt hier nicht mehr die Simplizität der Texte auf den ersten Blick zum Vorschein, dafür überzeugt aber auch das Englisch auf Schulniveau nur mäßig.

Mit meist sterilen, emotionslosen Songs läuft die Spielzeit des Albums schließlich ab, während die Hoffnung auf wahre Highlights und Überraschungen parallel dazu immer mehr schwindet.
Der elektronischen Ebene von „Echtzeit“ fehlt es an Raffinesse; alles wird von Loewenhertz sehr minimalistisch und zahm gehalten. Ein scheinbar fehlender Anspruch in jeder Hinsicht vermittelt den Eindruck von schneller Konsumierbarkeit, Oberflächlichkeit und letztendlich einem Alleinunterhalter-Charme.

Loewenhertz (Copyright: Peter Derbsch)

Da hilft es auch nichts, wenn in „Gib mir noch Zeit“ nach balladesken Tönen eine Art David Guetta-Einlage folgt, die so auch jenen Schaustellern als Autoscooter-Beschallung dienen könnte, die nach Abwechslung für ihre 90er Jahre Dance-Hit-Playlist suchen.

Lassen muss man Loewenhertz bei aller Kritik aber, dass der Gesang durchaus angenehm klingt. Es ist somit nicht die stimmliche Darbietung, an der das Album kränkelt, sondern vielmehr die Einfallslosigkeit, mit der der Electropop hier seine Bahnen zieht und dabei zwar teilweise catchy ausfällt, aber leider nach dem Hören schon wieder vergessen ist.

Video

Tracklist

01 Irgendwann
02 Unsichtbar
03 Gib mir noch Zeit
04 It’s Too Late
05 Halt mich
06 Wer sind wir
07 Frei sein
08 Thunder
09 Winter Falls
10 Lights Of The Night
11 Spiritual Healing (Bonustrack)
12 Close Your Eyes (Bonustrack)

Details

Loewenhertz – Homepage
Loewenhertz – Facebook

Label: Echozone / Soulfood
Vö-Termin: 17.03.2017
Spielzeit: 49:19

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde