Review

„Loss“, ein Sound direkt von der Brandung. So kracht das Quartett LLNN jedenfalls mit doomigen Hardcore, der schon gar nicht mehr doomig, sondern fast postapokalyptisch klingt, durch sämtliche Gehörgänge. Die Band ist mit ihrer Musik längst über die schweren Rhythmen hinaus gekommen und lässt nun ihre geballte akustische Kraft auf den Hörer niederfahren.

Ein starkes Stilmittel auf „Loss“ ist das Schaffen einer Illusion von Atmosphäre. Da kann auch der geräumigste Ambient-Sound in „Calamity“ nichts an den harten Breakdowns ändern, die einem auf dieser Platte immer wieder begegnen können. Diese entpuppen sich als Markenzeichen der Band. Und wenn der Beat sich verlangsamt, kann man sich sicher sein, dass man sich an allen Saiteninstrumenten komplett in Rage spielt.

Den einen mag dies erfreuen, man kann aber auch durchaus verstehen, wenn diese Herangehensweise nicht für jedermann geeignet ist. Es scheint fast so, als wurden alle Tonspuren auf einen Punkt komprimiert, um eine möglichst einschlagende Wirkung zu erzielen. Man muss LLNN jedoch zugutehalten, dass sie dieses Prinzip konsequent durchziehen und somit den Charakter der Platte zusätzlich prägen.

Zunächst wird die Hörerschaft aber von „Rapture“ erst einmal erschlagen. Die Riffgewalt, die dieser Song an den Tag legt, spiegelt sehr gut die Intentionen der Band wider. Dennoch zeigen sie kurzzeitig im gleichen Titel mit groovigen Drumeffekten, dass da noch mehr hinter zu stecken scheint. Der darauf folgende „Monolith“ verfährt allgemein nach der gleichen anfänglichen Formel und man beginnt sich zu fragen, ob „Loss“ mehr als nur das bieten kann.

Diese Frage ist zu bejahen, denn ab der Hälfte des Albums geht es weiter in die Tiefen der Melodien; buchstäblich sogar mit „Depth“, der vom Grundton immer weiter in das unbekannte Schwarz hinab zu tauchen scheint. Ebenso der Titeltrack „Loss“. Es muss also nicht immer gleich alles direkt durch die Wand gehen. Dazu passt natürlich auch die gesangliche Mischung aus Hardcore-Gegröle und Doom-Geschrei.

Leider gibt es nur einen Aspekt, der dieses ganze Konzept von „Loss“ überschattet. Die Produktion lässt den härteren Passagen wirklich sehr viele Möglichkeiten, sich zu entfalten. Im Beatdown ist das auch eine gute Sache, allerdings nicht, wenn die Jungs dann noch ein paar Harmonien darunter schieben. So dominiert der fast schon akustische Matsch das Geschehen und lässt Parts, in denen sich die Songs entfalten könnten, kaum Luft. Gleichermaßen hätte man sogar fast den Groove überhört, den LLNN öfters präsentieren.

LLNN (Copyright: LLNN)

LLNN (Copyright: LLNN)

Keine Ahnung warum, aber mit dem Schlusslicht „Voyager“ erwartet man etwas anderes, als stählerne Geräusche, die durch die Atmosphäre schleifen. Als Intro hätte man dies verwenden oder vielleicht am Ende sogar noch einmal ein ordentliches Brett abliefern können. Allein der Titel „Voyager“ steht ja für sich alleine schon für so viel.

Besonders weil „Loss“ dennoch so ergiebig ist, möchte man immer wieder zu diesem Album zurückkehren. LLNN lassen sich nicht eingrenzen und streuen ihre musikalische Vorhölle in alle Richtungen. Definitiv für diejenigen, die kompromisslosem Hardcore fern des Standards etwas abgewinnen können. Man muss sich aber vorher bewusst sein, auf was man sich hier einlässt.

Video

Trackliste

01 Rapture
02 Monolith
03 Calamity
04 Loss
05 Depths
06 Voyager

Details

LLNN – Facebook

Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 30:12

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Christopher