Review

Mit anspruchsvollem Artrock machen LizZard bereits seit ihrer Gründung 2006 auf sich aufmerksam. Nach zahlreichen Konzerten mit namhaften Bands und einigen Veröffentlichungen, angefangen von der Demo „La Criée“ über das Minialbum „Venus“ bis hin zu den beiden full length Alben „Out of reach“ und „Majestic“, manifestierten sie ihren Status in der Musikszene nicht nur in ihrer Heimat Frankreich kontinuierlich, sondern bauten sich darüber hinaus eine kleine Fangemeinde auf. Dieser und allen Liebhabern des vertrackten, aber gleichzeitig melodischen Rock präsentiert das Trio nun ihr drittes Album namens „Shift“.

Darauf finden neun neue Titel ihren Platz, die eingeleitet werden durch das Intro „Seed“. Schon hier erzeugen LizZard eine dichte Atmosphäre, die sich auch in den folgenden Songs wiederfinden soll.
Erklingt dann der Track „Singularity“, glaubt man kaum, dass hier lediglich drei Musiker und mit Katy Elwell an den Drums auch Musikerinnen am Werke sind. Allein durch Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang arrangieren LizZard Titel, die eine fünfköpfige Band nicht fülliger und intensiver hätte komponieren und vortragen können. Mit einer Wucht und einer noch größeren Portion Groove schießen dem Hörer auf „Shift“ Songs aus den Boxen entgegen, die jedoch nicht nur durch ihr jeweils dichtes Arrangement auffallen, sondern darüber hinaus auch viel gefällige Melodien mitbringen. So gehen die Songs trotz teils experimenteller, teils vertrackter artrockiger Ausrichtung beinahe ausnahmslos ins Ohr.

Schwieriger wird es allerdings ab der Mitte des Albums, wenn der Titeltrack, überraschenderweise ein reines Instrumentalstück und gleichsam der längste Titel des Werkes, die noch ruhigere Seite von „Shift“ und LizZard einleitet. Wenngleich das Instrumental sehr abwechslungsreich angelegt ist, sodass über die insgesamt knapp 6:15 Minuten keine Langeweile aufkommt, muss man sagen, dass der Leadgesang bei LizZard derart gut ausfällt, dass man ihn zu vermissen beginnt, sobald es rein instrumental zugeht.

LizZard (Copyright: LizZard)

Abgesehen von einem Brecher wie „Open View“ reicht die zweite Albumhälfte nur bedingt an seinen starken Anfang heran. Gerade jenen möchte man aber unbedingt auf Repeat stellen.

Ob polyrhythmisch, arhythmisch oder hin und wieder auch verzerrt, LizZard leben mit Leidenschaft ihren Artrock aus, ohne die Zugänglichkeit ihrer Stücke aus den Augen zu verlieren. Damit erreichen sie mit „Shift“ nicht nur eine genreaffine Zielgruppe, sondern dürften auch dem anspruchsvollen Rocker gefallen.

Ihre Hörer – egal welcher stilistischen Façon – werden schließlich noch mit einem frischen, druckvollen Sound belohnt, der das Album „Shift“ hervorragend abrundet. Großartig!

Video

Tracklist

01 Seed
02 Singularity
03 Gemini
04 Bloom
05 Shift
06 Min(E)d
07 Leaving the Dream
08 Open View
09 Passing By

Details

LizZard – Homepage
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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 23.02.2018
Spielzeit: 43:41

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde