Review

Uwe Cremer, die reale Person hinter Level Pi, hat sich zum Ziel gesetzt, mit einfachen Mitteln komplexe Klangwelten zu erschaffen. Pioniere des Krautrock wie Pink Floyd nennt er als Einflüsse und veröffentlicht seit 2006 selbstständig eigene Kompositionen. Seit Februar 2016 arbeitet er mit Reptile Music zusammen und bewirbt darüber auch sein neuestes Werk „This Burning Part Of Me“. Dieses Kompendium umfasst sieben Titel, die sich trotz ihres unterschiedlichen Charakters zu einem großen Ganzen fügen.

„Silentium“ weckt mit dezent mystischer Atmosphäre aus der Tiefschlafphase des Alltags. Nach der ersten Verwunderung ob der reduzierten Tonalität dieses Stücks macht sich Neugierde breit und es erschließen sich sanfte Tiefen. Sirenen streuen ein wenig Realität zwischen die surrealen Klangeffekte. Gegen Ende baut sich eine Dramatik auf, die passend in das postpunkige Stück „Limit To Your Love“ übergeht. Genau richtig, um gut in den Tag zu starten, wippt hier der Fuß durchgängig mit. Die flotten Beats werden durch simple Akkorde und eine melancholische, aber nicht langweilige sonore Stimme ergänzt. Spannung wird durch verzerrten Gegengesang aufgebaut, die eingängige Melodie verankert die verständlichen Strophen wie ein Mantra. Mit Allgemeinplätzen wie „home is not a thing you own but something you can feel“ kann sich jeder identifizieren und so ist die Thematik unspezifisch, aber zugänglich. Dennoch herrscht eine positive Grundstimmung vor, sodass der Hörer durchaus ermutigt „so many different ways to all the challenges you face“ seinen Herausforderungen entgegensummen kann.

Komplett anders wirkt hingegen „Abendhimmel“ mit seinem sehr monotonen Synthesizer-Einstieg, hinterlegt mit stoischem Schlagzeug und spacigen Halleffekten. Sehr experimentell wird hiermit die Brücke zum klassischeren Stück „Mine“ geschlagen.
Hintergründige Basslinien und punktuelle Synthesizertöne formen eine Klangbühne, die den „singer with no song“ mit dem folkigen Gesang klar in den Vordergrund stellen. Hier setzt sich der Liedermacher durch, der Gestus erinnert zum Beispiel an Sol Invictus, weniger komplex, aber nicht minder ansprechend. Der Song entwickelt sich, die Melodie und der Gesang werden rhythmischer, Melismatik und ein wenig Tremolo bringen Tiefe, doch das Arrangement bleibt überschaubar. Ein dezenter Chorus unterstützt zum Höhepunkt, einstimmig und a cappella verklingt der Song.

Weiter geht es wieder mit einem Gegenpart: „Voices In My Head“ startet nach einem kurzen Halleffektintro fast rockig und mit eingängiger Melodie, Tempowechseln und Streicher imitierenden Synthesizern. Instrumental wird hier auf über sieben Minuten entsprechend große Spannung aufgebaut. Das einfach, aber abwechslungsreich strukturierte Schlagzeug führt durch eine aufregende Klanggeschichte um die Stimmen im Kopf jedes Einzelnen. Mitspieler sind hier improvisatorische E-Gitarren, ein experimenteller Bass von Gastspieler Thomas Rydell, psychedelische Geigen und der alles beendende Paukenschlag.

Level Pi (Copyright: Level Pi / Uwe Cremer)

Level Pi (Copyright: Level Pi / Uwe Cremer)

Nach diesem Drama setzt ein romantisches Piano ein und Timothy Smith, der für alle Vocals und Lyrics auf dieser EP verantwortlich zeichnet, schmachtet ein „in your world there was room for two and I can’t exist in this world without you“. Nach einem mitreißenden und dann wieder im Nichts verklingenden Gitarrenintermezzo möchte man das wiederkehrende ergreifende Piano-Gesangs-Duo direkt unterstützen – bei aller Simplizität ein weiteres kleines Highlight der EP.

Den Abschluss bildet eine basslastige Instrumentalversion von „Mine“, unterstützt von spacigen Klängen, die sich mit emotionalen Gitarren in einfacher und virtuoser Spielart abwechseln.

Insgesamt ergibt sich eine abwechslungsreiche Zusammenstellung, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft, wo aber jeder Song seine eigene Faszination ausübt – wenn man sich dafür öffnet.

 

Video

Tracklist

01 Silentium
02 Limit To Your Love
03 Abendhimmel
04 Mine
05 Voices In My Head
06 Two
07 Mine – Instrumental Reprise

Details

Level Pi – Homepage
Level Pi – Facebook

Label: Reptile Music
Vö-Termin: 11.03.2016
Spielzeit: 30:74

Copright Cover: Reptile Music



Über den Autor

Maria
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Tunichtgut von Welt