Review

Nach ihrem letzten Album „Fire and Gasoline“ liefert Rock-Röhre Lee Aaron mit dem neuen Werk „Diamond Baby Blues“ Nachschub für ihre Diskografie.

Wie es der Name des aktuellen Silberlings schon nahelegt, spielt der Blues eine zentrale Rolle in den hier zu hörenden zwölf Songs. So wird der auf „Fire and Gasoline“ noch präsentierte und zelebrierte Party-Rock nun vernachlässigt und stattdessen die Blues-Keule herausgeholt. Sei es in einer Ballade, einer pop-rockigen Nummer oder in einem Power-Rock-Track – nur selten stößt man hier auf Titel ohne (zumindest) bluesigen Unterton.

Unverändert bleibt jedoch die gesangliche Inbrunst von Lee Aaron, denn wie schon auf dem vorherigen Album wird auch auf „Diamond Baby Blues“ der performte Rock „schreiend“ inszeniert. Balladen bilden diesbezüglich eine angenehme, ruhige Verschnaufpause, wenngleich dabei erneut stimmlich arg bluesig verkünstelt agiert wird.
Eine Ausnahme stellt „The Best Thing“ dar. In dieser stimmungsvollen seichten Rock-Ballade nimmt sich Lee Aaron gesanglich angemessen zurück und transportiert dadurch (man möchte schon sagen erstmals) Emotionen an die Hörer. Dabei klingt sie pur und nicht aufgesetzt oder zu technisch – und davon wünscht man sich dringend mehr. Denn zu selten ist dies der Fall, agiert Lee Aaron doch meist sehr „steril“. Trotz gesanglichem Können will der Funke somit nicht oft überspringen.

Eventuell sollen dabei Fremdnummern helfen, anders ist die hohe Anzahl an Coverversionen auf „Diamond Baby Blues“ kaum zu erklären. Bei sieben Coversongs bleibt nicht nur die Summe an Eigenkompositionen überschaubar, auch drängt sich der Eindruck auf, es mit einem Coveralbum zu tun zu haben.

Lee Aaron (Copyright: Lee Aaron)

Entsprechend ihrer Orientierung am 60er und 70er Jahre Classic Hardrock / Blues (Rock) wird bei den Neuinterpretationen (nicht nur, aber natürlich auch) auf Originale dieser Zeit wie etwa „Mistreated“ (1974, Deep Purple), „I’m A Woman“ (1978, Koko Taylor) oder „You’re No Good“ (1963, Dee Dee Warwick, später bekannter geworden durch das Cover von Betty Everett) zurückgegriffen.
Neben diesen „stilgetreuen“ Songs reiht sich zudem mit „Black Cat“ (im Original von Janet Jackson) ein neuerer Titel mit Blues-Gewand in die Cover-Riege ein.

Ob Eigenkomposition oder Cover, insgesamt klingt das Songmaterial auf Albumlänge wie aus einem Guss. Leider, denn das erstickt gleichsam einen möglichen Abwechslungsreichtum im Keim; eintönig wird es somit für die, die sich nicht für Blues Rock begeistern können.

Alles in allem ist Lee Aaron mit „Diamond Baby Blues“ zwar ein kleiner musikalischer Richtungswechsel (hin zum verstärkten Blues) zu bescheinigen, die Überzeugungskraft betreffend – im Vergleich zum Vorgänger – bleibt es jedoch bei einer Stagnation.

Und wem in diesem Review „bluesige“ Begrifflichkeiten schon zu gehäuft vorkommen, der braucht sich „Diamond Baby Blues“ erst gar nicht in den Player zu legen.

Video

Tracklist

01 Diamond Baby
02 Mistreated
03 American High
04 I’m A Woman
05 Mercy
06 Best Thing
07 Black Cat
08 Hard Road
09 In The Bedroom
10 Cut Way Back
11 You’re No Good
12 My Babe

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 27.04.2018
Spielzeit: 51:04

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde