Review

Bittersüße Klänge, häufig in Moll gehalten und einige Male dissonante Töne anschlagend, bilden den Soundtrack zur „Sweet Apocalypse“, die der Pianist Lambert vor allem, aber nicht nur Klassik-Hörern präsentiert.

Dass sich sein Klavierspiel auf dem aktuellen Album derart offen gibt, liegt mitunter daran, dass neben den wohlklingenden Melodien zusätzlich Streicher, Bläser und Percussion in den musikalischen Kontext eingebettet werden. Diese Ergänzungen ermöglichen es Lambert, seine insgesamt zwölf Kompositionen, stets getragen von seinem dominierenden Tasteninstrument, stilistisch sowohl Pop- als auch jazzige Gefilde streifen zu lassen und sich damit für ein breiteres Publikum zu öffnen.

Das Album „Sweet Apocalypse“ selbst wirkt wie eine kleine Erzählung, dessen akustische Verfolgung nicht schwerfällt, da Lambert nicht selten Zusammenhänge unter den einzelnen Songs schafft.

Allen voran ist es die Atmosphäre der Titel, die sich konsequent durch das Werk zieht und jenes scheinbar konzeptionell zusammenhält. Antithetisch verbinden sich zumeist Melancholie und Hoffnung in einem Track oder auch nur einem Ton, sodass „Sweet Apocalypse“ zu keinem Zeitpunkt weder an Spannung verliert noch an allzu viel Lethargie gewinnt. Dynamisch und gleichzeitig ausladend sowie mit einer jeweils überschaubaren Spielzeit reihen sich die Stücke aneinander und gewährleisten einen gleichsam aufwühlenden, bedrückenden wie sanften, friedvollen Hörgenuss.

Lambert (Copyright: Andreas Hornoff Fotografie)

Erzeugt wird dies zudem durch die Variationen des Tastenanschlags, der mal energisch laute, mal die Seele streichelnde leise Klänge hervorbringt.

Wie auch immer Lambert sein Instrument zu spielen pflegt, er trifft den richtigen Ton. Aus diesem Grund wird es einigen Hörern vielleicht auch unnötig erscheinen, die eingangs erwähnten Zugaben auf „Sweet Apocalypse“ vorzufinden. Diesbezüglich mag erneut die Redewendung ihre Gültigkeit haben, dass oft weniger mehr ist. Und so verleihen ebenjene Extras einem Titel wie „Aftermath“ gerne auch mal den Charakter von Warteschleifenmusik.

Wer hingegen auf große Gefühle Wert legt, der findet jene durch diese zusätzlichen Elemente oftmals verstärkt und dürfte in dieser Hinsicht auf seine Kosten kommen.

Video

Tracklist

01 Sweet Apocalypse
02 In The Dust Of Our Days
03 Parasites To Ourselves
04 A Thousand Cracks
05 Signals
06 Waiting Room
07 Descending A Staircase
08 Blik
09 Licking Dew
10 Aftermath
11 Sleeping Dogs
12 The End

Details

Lambert – Homepage
Lambert – Facebook

Label: Deutsche Grammophon / Mercury KX
Vö-Termin: 12.05.2017
Spielzeit: 37:02

Copyright Cover: Deutsche Grammophon / Mercury KX



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde