Review

Eine Band aus Finnland, die in russischer Sprache sowohl aktuelle als auch historische Ereignisse Russlands thematisiert und sie mittels Doom und Gothic Metal an die Hörer transportieren möchte, klingt für unsereins in gewisser Weise exotisch und könnte dem einen oder anderen den Zugang zu Band und Musik schon von vornherein erschweren. Da heißt es vorrangig, die Musik für sich sprechen zu lassen, wenn es sonst an der Verständigung hapert. Gut daher, dass „3epo“ vor Atmosphäre strotzt, allen voran erzeugt durch den tiefdunklen, warmen Gesang von Erkki Seppänen.

Jener, so eindringlich er auch zuweilen erklingt, sorgt mit teils absichtlich gesetzten disharmonischen Tönen jedoch das eine oder andere Mal für unangenehme Phasen beim Hören. Erschweren bereits die Sprachbarrieren den Zugang zum Album, tragen diese Passagen zusätzlich zur Sperrigkeit des Silberlings bei. Genau in diesen Momenten schafft es dann auch die Musik nicht, das Interesse des Hörers, die des Russischen nicht mächtig sind, auf Albumlänge aufrechtzuerhalten.

Besonders die Intros der insgesamt zehn Titel sind allerdings stimmungsvoll arrangiert und erinnern in ihrer dichten Atmosphäre und mit ihrer Melodielastigkeit nicht selten an Stücke der finnischen Band Sentenced. Allzu verwundern dürfte dieser Vergleich nicht, bedenkt man, dass Gitarrist und Songschreiber Sami Lopakka nach der Auflösung von Sentenced 2005 seine bereits 1999 entwickelte Idee zum Projekt KYPCK schließlich in die Tat umsetzte und nun mit „3epo“ auf insgesamt vier Studioalben zurückblickt.

Nur mit der CD als solcher im ausklappbaren Digipak inklusive Booklet bieten KYPCK hier allerdings standardisierte und vor allem leichte Kost. Darüber hinaus ist „3epo“ kein schlechtes, aber ein in jeder Hinsicht schweres Album. Schwer zu verstehen, schwer Zugang zum musikalischen Geschehen zu finden, schwer lediglich nebenbei zu hören und schwer in der Rhythmik.

KYPCK (Copyright: KYPCK)

Der vorherrschende Doom, der mit Gothic Metal-Elementen kombiniert wird, fällt hörbar getragen aus und wird auf epischen Songlängen zelebriert. Jene erscheinen in Verbindung mit der musikalischen Schwere allerdings teilweise so lang, dass der Hörer bereits in der Mitte des Songs den Anfang schon wieder vergessen hat – oder sich lediglich an Fragmente wie zum Beispiel häufig integrierte sampleartige Geräuscheinsprengsel erinnern kann.

Empfehlenswert ist „3epo“ aber dennoch, daher sollte man dem Album ein paar Durchläufe mehr gönnen als bei anderen Veröffentlichungen üblich, um mit KYPCK warm zu werden. Belohnt wird man mit dichten und atmosphärischen Songs, die vor allem Doom Fans zusagen dürften.

Video

Tracklist

01 Я свободен (I Am Free)
02 2017
03 Мне отмщение (Vengeance Is Mine)
04 Прогулка по Неве (Stroll by the Banks of Neva)
05 На небе вижу я лицо (I See a Face in the Sky)
06 Моя жизнь (My Life)
07 Последний тур (The Last Tour)
08 Русофоб (Russophobe)
09 Байкал (Baikal)
10 Белая смерть (White Death)

Details

KYPCK – Homepage
KYPCK – Facebook

Label: Ranka Kustannus / Soulfood
Vö-Termin: 16.12.2016
Spielzeit: 61:04

Copyright Cover: Ranka Kustannus



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde