Review

Es ist Zeit – Krayenzeit! Dass das so ist, verdeutlicht die Band aus Stuttgart lautstark auf ihrem Album „Auf dunklen Schwingen“. Und bereits nach dem ersten Durchgang ist klar: Das Septett wird mit ihrem Debüt die Mittelalterrock-Szene gekonnt aufmischen.

Hinter Größen wie Saltatio Mortis, Subway to Sally oder den inzwischen ebenfalls etablierten Nachtgeschrei muss sich Krayenzeit nicht verstecken. Vielmehr wird man sie unweigerlich mit jenen Bands musikalisch und auf gleicher Stufe in Verbindung bringen können, denn in druckvoller Produktion schalmeien sie sich durch ihre 14 Songs, die in jeder Hinsicht das Können der Band verdeutlichen.

Und bei 14 Songs und sieben Bandmitgliedern wird zudem der Vielfalt mehr als genug Raum gegeben.
Diese erstreckt sich vor allem auf die Instrumente. Wie man es von Szenebands kennt, setzen auch Krayenzeit auf die Verbindung von klassischen (Drums, Gitarren, Bass) und traditionellen, mittelalterlichen Instrumenten, darunter z.B. Cister, Rauschpfeife, Laute, Flöten, Chalumeau und Concertina. Für einen etwas epischeren Klang sorgt zudem die Einbindung einer Geige.
Die Rock-Note ihres Sounds wird insbesondere durch die oftmals härter angeschlagenen, e-verstärkten Sechssaiter betont, die erahnen lassen, dass einige Bandmitglieder bereits mit dem Metal-Bereich geliebäugelt haben. Wer es auf die Härte im Mittelalter-Folk-Rock Krayenzeits abgesehen hat, der sollte u.a. dringend die Songs „Nachtvogel“ und „Himmlische Heere“ antesten. Dominant stechen die Gitarren hier heraus und lassen die Songs eher ‚gen Metal statt ‚gen Rock driften. Eine tolle Kombination inmitten des ansonsten zahlreich vorhandenen Flötenspiels.

Sieht man noch vom Intro des Songs „Himmlische Heere“ ab, das in Teilen der Eröffnung Assoziationen zum Titel „Somebody That I Used To Know“ von Gotye weckt und mit sakralen Backgroundchören aufwartet, und dem Download-Bonustrack „Rum Sherry’s Ladies“, der einzige Titel, der auf Englisch gesungen wird und deutliche Shanty-Anleihen aufweist, sind dies neben der zeitweisen Metal-Ausrichtung jedoch die einzigen Punkte, in denen Krayenzeit mit Überraschungen aufwartet. Davon abgesehen bewegt man sich auf der sicheren Seite, die jedem Mittelalterrock-Fan zwar das Herz aufgehen lassen wird, jedoch auf Bewährtes und Vorhersehbares setzt.

Krayenzeit (Copyright: Krayenzeit)

Krayenzeit (Copyright: Krayenzeit)

So sind beispielsweise die Songtexte schon durchdacht und ihre Reime sinnig gesetzt, Innovationen sucht man diesbezüglich allerdings vergebens. Dafür werden die lieb gewonnenen genretypischen Schlagworte aber von tollen Melodien begleitet, die umgehend ins Ohr gehen.

Trotz des beinahe stets präsenten Flötenspiels übertreibt man es mit den weiteren Zugaben (wie z.B. die Chöre / Backingvocals) nicht. Insbesondere die Geige wirkt sehr stimmig zum „hellen“ Gesang von Markus Engel und drängt sich nicht unangenehm auf, sondern fügt sich in das Gesamtgeschehen ein.

Auch wenn die Veröffentlichung das Rad nicht neu erfindet, so ist „Auf dunklen Schwingen“ dennoch der Durchlauferhitzer unter den Mittelalterrock-Alben. Stellt man es an, erwärmt es umgehend die Gemüter und bringt das Blut in den Adern der Hörer zum Kochen. Dies wird live ebenso funktionieren wie beim Konsumieren des Albums. Ein eingängiger Song jagt den nächsten, sodass getrost festgehalten werden kann, dass Krayenzeit ihre Mauser hinter sich gebracht haben, um nun über der Mittelalterszene ihre Kreise zu ziehen.

Doch genug der ornithologischen Wortspielereien: Holt eure Trachten und Roben aus den Ecken und überzeugt euch selbst von der Qualität der Band.

Anspieltipps:
Von deinen Lenden / Krayenzeit / Erntefest / Himmlische Heere

Video

Tracklist

01 Intro
02 Krayenzeit
03 Nachtvogel
04 Von der Fahrt übers Meer
05 Feuertanz
06 Von deinen Lenden
07 Vogelfrey
08 Erntefest
09 Verschenkt
10 Himmlische Heere
11 Wir sind erwacht
12 Wüstenregen
13 Ein Abschied
14 Rum Sherry’s Ladies (Download Bonustrack)

Details

Krayenzeit – Homepage
Krayenzeit – Facebook
Krayenzeit – Twitter

Label: Oblivion / SPV
Vö-Termin: 19.06.2015
Spielzeit: 58:48

Copyright Cover: Oblivion / SPV



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde