Review

Mit „Blüht“ brachten sich Kora Winter auf die Beine und traten darauf mit der klassischen Härte von Post-Hardcore, diversen experimentellen Einlagen und einer gewissen melodischen Attitüde musikalisch in Erscheinung. „Welk“ macht nun dort weiter, wo „Blüht“ aufgehört hat, treibt es allerdings stilistisch noch weiter auf die Spitze.

Kora Winter treten aggressiver auf, was man auch stets heraushört, aber vor allem wagt die Truppe Etwas auf ihrer EP. Weitab jeglicher Klischees versucht man nun neue Richtungen zu finden, in denen man sich austoben kann.

Das mag schon mal sehr verlockend klingen, man muss aber leider sagen, dass das Quintett bereits mit dem ersten Song „Bluten“ zu viel will. Vormals besteht dieser Titel aus sehr guten Ansätzen, die allerdings wie ein Frankenstein-Projekt zusammengehalten werden, sodass man diese speziellen Momente nie wirklich genießen kann.
Auch lyrisch sticht nicht gerade etwas besonders hervor, aber immerhin gibt es eine recht überraschende Saxophon-Einlage, mit der man sicher nicht gerechnet hat.

Aber wer diese Seite nicht gerade von unten zu lesen anfängt, wird schon gesehen haben, dass diese Platte mit vier Sternen bewertet wurde, also muss der Rest ja logischerweise gut sein.
Und ja, das ist er; angefangen mit dem darauffolgenden Song „Stiche“, der einfach chaotisch in sich selbst stimmig ist. Wie kann man nur bei dieser einleitenden Rhythmik still sitzen bleiben? Kurz darauf entwickeln sich Kora Winter zu einer zugänglicheren Version von Converge und schlagen mit abgehakten Akkorden nur so um sich. Dazu kommen noch catchige Textpassagen, die ins Ohr gehen. „Stiche“ ist ein Titel, bei dem man merkt, dass die Jungs einfach Bock auf ihre Musik haben und diese so gestalten wollen, wie sie es für richtig halten.
Gleiches gilt für das Schlusslicht „Narben“. Im Vergleich zwar etwas eingängiger, aber dafür mit viel griffigeren Melodien.

Kora Winter (Copyright: Kora Winter)

Kora Winter (Copyright: Kora Winter)

Schade nur, dass die Backup-Vocals manchmal sehr stark in dem Ganzen untergehen und nur zwischendurch wirklich durchbrechen. Aber dafür scheint man als Frontsänger viel mehr dazu geneigt zu sein, zwischendurch einfach mal ein paar ungewohnte Laute von sich zu geben. So etwas soll ja bekanntlich auch die Zunge lockern.

Inmitten dieser ganzen zerstörerischen Kraft findet sich „∞“, welcher mit fast kompletter Abwesenheit der Band glänzt und einem weiblichen Solopart die Bühne frei macht; was dank des klaren Gesangs nicht nur eine Seite für Lyrics im Digipak spart, sondern auch noch einmal die musikalischen Variationen von „Welk“ aufweist bzw. die Intentionen von Kora Winter offenlegt.

Allgemein kann man sagen, dass „Welk“ eine positive Entwicklung der Band widerspiegelt; sowohl das Songwriting als auch die musikalische Flexibilität Kora Winters betreffend. Die Natur ist ein Kreislauf und wo etwas welkt, erblüht später etwas Neues.

Video

Trackliste

01 Bluten
02 Stiche
03 ∞
04 Narben

Details

Kora Winter – Homepage
Kora Winter – Facebook
Kora Winter – Twitter

Label: Eigenvertrieb
Vö-Termin: 21.04.2017
Spielzeit: 20:15

Copyright Cover: Kora Winter



Über den Autor

Christopher