Review

Die italienische Band Kaledon meldet sich mit ihrem neuen Album „Carnagus. Emperor Of The Darkness“ zurück – und hat nicht nur ein teilweise neues Line-up, sondern auch – wie der Name des Werkes schon verheißt – ein weiteres Fantasy-Epos im Gepäck.

Entsprechend heroisch steigt das Sextett mit dem Intro „Tenebrae Venture Sunt“ in die mittelalterlich-fantastische Geschichte ein, die hier auf insgesamt zehn Titeln ausgebreitet und von einem dominanten Keyboardeinsatz auf musikalischer Ebene begleitet wird.

Jene sind es auch, die der Fantasy-Stimmung schon im ersten eigentlichen Titel „The Beginning Of The Night“ kurzzeitig einen Hakenschlag verpassen, denn statt epische Fantasy Highlights trumpfen Kaledon (auch in „Eyes Without Life“) teils mit sci-fi-artigen Tastenklängen auf, bis die Fantasy-Motive anschließend wieder verstärkt aufgenommen werden.

Schnell wird nach dem ersten Hördurchlauf deutlich: Für ein erwartetes straightes Power Metal Album geben sich Kaledon überraschend vertrackt, vor allem wenn man bedenkt, dass sich die Band nicht ausdrücklich im Progressive Bereich tummelt. Langweilig wird es somit nicht, stattdessen erfordern einige Titel u.a. durch häufige Breaks und Wechsel die Aufmerksamkeit des Hörers.

Das Gaspedal hält man dabei beständig gedrückt, sodass in jedem Song konstant auf Tempo gespielt wird; dies vor allem durch ein permanentes Powerdrumming. Doch auch Gitarrenfetischisten kommen durch viele vorhandene Soli (mal kurz, mal ausgiebiger) auf ihre Kosten.

Power Metal fern der Kurzweil also, und noch dazu mit einer starken Gesangsperformance, für die sich Neuzugang Michele Guaitoli verantwortlich zeigt. Dessen stimmlichen Facettenreichtum konnte man bereits bei der Band Overtures und ihrem Album „Artifacts“ bestaunen und auch auf „Carnagus. Emperor Of The Darkness“ macht der Gesangsallrounder eine hervorragende Figur am Mikro. Power Metal typische Töne entlockt er seiner Kehle ebenso gekonnt wie warme, melodische Gesangslinien und selbst vor gutturalen Einlagen schreckt Guaitoli nicht zurück, wie die Growls im Titel „Telepathic Messages“ bezeugen, ein Song, der gerade dadurch auf äußerst positive Art aus dem Album heraussticht.

Auf Albumlänge zaubern Kaledon zudem eine hohe Dichte an guten Melodien aus dem Ärmel, doch bemängelt werden könnte, dass kein Refrain langfristig im Ohr bleibt. Für den Moment gut und angenehm zu hören, fehlt es einigen Titeln daher an nachhaltiger Wirkung.

Kaledon (Copyright: Valter Santoro)

Bei alldem kommt außerdem der Erzählcharakter des Albums (zu) häufig durch. Die Texte wirken dadurch vermehrt zu inszeniert für die begleitende Musik und die entsprechenden Songlängen. Auch die eingepflegten Samples, welche die Geschichte akustisch untermalen und untermauern sollen, erscheinen im Kontext eher störend und hindern die Epik an diesen Stellen am episch sein.

Doch obwohl es scheint, als ob „Carnagus. Emperor Of The Darkness“ phasenweise eine klare Linie abhandenkommt, indem der „Power Metal nach italienischer Art“ (wie bei Rhapsody Of Fire und Co. anzutreffen) kurzzeitig zugunsten von spacigen Klängen schwindet oder gutturale Einsprengsel für einen Überraschungsmoment sorgen, entfaltet das neue Album von Kaledon besonders nach mehrmaligem Hören seine Wirkung. Genre-Fans mit Hang zur musikalischen Opulenz greifen zu.

Video

Tracklist

01 Tenebrae Venture Sunt
02 The Beginning Of The Night
03 Eyes Without Life
04 The Evil Witch
05 Dark Reality
06 The Two Bailouts
07 Trapped On The Throne
08 Telepathic Messages
09 Evil Beheaded
10 The End Of The Undead

Details

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Label: Sleaszy Rider Records
Vö-Termin: 15.05.2017
Spielzeit: 43:22

Copyright Cover: Sleaszy Rider Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde