Review

Mutet Johnny Deathshadow namentlich eher wie ein Ein-Mann-Projekt an, macht spätestens die Wucht der Instrumentierung deutlich, dass es sich bei der Hamburger Truppe um eine gesamte Band handelt. Jene hat sich dem Industrial Gothic Metal verschrieben und präsentiert diesen auch auf ihrem lang erwarteten Debütalbum „Bleed With Me“.

Stark steigen Johnny Deathshadow nach einem kurzen „Intro“ mit „Shadow“ in ihr Album ein, und schließen mit weiteren eingängigen, stilgetreuen Tracks an. Das Interesse der Hörer ist ebenso geweckt wie die Neugier auf den Fortgang der CD. Indem die Band musikalisch derart überzeugend vorlegt, sieht man auch schon mal gerne über den einen oder anderen klischierten Songtitel oder Textpart hinweg.

Mit einer besonderen Empfehlung für Fans von Pain, Die Krupps, Crematory, Amorphis und Combichrist kann „Bleed With Me“ auf derlei veranlagte Hörer ohne Bedenken losgelassen werden, denn ihre Mischung aus harscher Härte und Melodik steht genannten Bands in nichts nach.

Dies trifft auch auf die professionelle Produktion zu. Soundtechnisch bewegen sich Johnny Deathshadow auf internationalem Niveau und profitieren von der Zusammenarbeit mit Marcel Zürcher (Die Krupps), JP Genkel (Lacrimosa), Kai „Keile“ Stuffel (Wirtz), Produzent und Mischer Alex Henke (Dark Age, Wirtz) sowie Svante Forsbäck, der sich hier für das Mastering verantwortlich zeigt und bereits mit und für Lindemann, Apocalyptica, Volbeat und Amorphis gearbeitet hat. Gerade an die Sounds von letztgenannter Band fühlt man sich des Öfteren mit „Bleed With Me“ erinnert.

Die oft erwähnte und proklamierte facettenreiche Bandbreite von Johnny Deathshadow sieht man auf Albumlänge ebenfalls bestätigt, eventuell hätte aber eine andere Songanordnung dem Silberling gutgetan. So hätte z.B. der schleppende Rauswurf „Forever“ durchaus auch inmitten der harschen und harten Titel Sinn gemacht, um das zügige Treiben etwas deutlicher aufzubrechen und die in sich stimmige Vielseitigkeit der Band klarer zu untermalen. Vorteilhaft wäre dies auch dahingehend gewesen, da „Bleed With Me“ zeitweise etwas repetitiv und dadurch monoton und einfallslos wirkt. Kleine Durchhänger finden sich daher – im Kontext des Albums – gen Mitte der Veröffentlichung vor; für sich genommen können die Titel allerdings überzeugen.

Johnny Deathshadow (Copyright: Robin Schmiedebach)

Johnny Deathshadow (Copyright: Robin Schmiedebach)

Jene leben nicht nur von der musikalischen Inszenierung, mit der Johnny Deathshadow (vor allem in den melodischen Passagen, denen es auch an obligatorischer Melancholie nicht mangelt) mal verstärkt in Richtung skandinavisch geprägten Gothic Rock schielen, während an anderer Stelle fast schon Hellectro-Sounds auf Gothic Rock Strukturen treffen oder der Industrial-Anteil à la Pain maßgeblich betont wird („Exit Wounds“), auch der Gesang trägt zum Gelingen von „Bleed With Me“ bei. Das Spektrum reicht von Zerrsounds über gutturale Sequenzen und Sample-Eingebungen bis hin zum Klargesang, der jedoch weitaus heller und höher erklingt, als man es sich bei dem Bandnamen und Image zunächst vorstellt. Gleichzeitig ist dies ein Fakt, der für eine gewisse Eigenständigkeit und einen Wiedererkennungswert der Band sorgt.

In diesem Sinne sei „Bleed With Me“ all jenen Hörern ans Herz gelegt, die sich für genannte Bands begeistern können und auf der Suche nach Alternativen im Bereich des Industrial Gothic Metal sind. Mit ihrem vielversprechenden Debüt lassen Johnny Deathshadow auf noch Großes hoffen.

Video

Tracklist

01 Intro
02 Shadow
03 Bleed With Me
04 Kill The Lights
05 Sleeper
06 Black Clouds, Dark Hearts
07 Exit Wounds
08 Ghost
09 The Slow Departure
10 Land Of The Dead
11 Apocalypse Trigger
12 Forever

Details

Johnny Deathshadow – Homepage
Johnny Deathshadow – Facebook

Label: Make Big Records / Believe Digital / Soulfood
Vö-Termin: 21.10.2016
Spielzeit: 40:00

Copyright Cover: Make Big Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde