Review

Als Frontsänger der Alternative Rockband Tarranado sammelte Bastian Frank bereits einige Erfahrungen. Knapp zwölf Jahre nach deren Gründung war es jetzt an der Zeit, seinen musikalischen Werdegang durch ein Soloprojekt zu erweitern.
Als James Ocean veröffentlicht der Newcomer-Solokünstler daher nun sein erstes Album „Paint your perfect day“.

Auf diesem sind elf Titel vertreten, die laut Infoschreiben eine Mischung aus Pop, Alternative Rock und elektronischer Musik bereithalten. Nur schwer kann man dieser Kategorisierung jedoch zustimmen. Deutlich dominiert zwar der Pop-Faktor, in eine darüber hinaus existierende konkrete Schublade lassen sich die abwechslungsreichen Titel allerdings nicht so einfach einordnen.

James Ocean (Copyright: James Ocean)

James Ocean (Copyright: James Ocean)

So legt man das Debütalbum „Paint your perfect day“ von James Ocean in den Player, und schon mag man beispielsweise – sobald die Gesangsstimme des 29-jährigen Musikers erstmals erklingt – meinen, die männliche Version von Tracy Chapman gebe sich die Ehre.
Aufs erste Hören ist „Come Down“ allerdings kein Song, mit dem man ein Album eröffnen sollte, da der Titel den Hörer nicht umgehend catcht. Gefühlvoll, aber auch etwas langweilig wird damit ein Opener geboten, dessen Platzierung erst nach dem Gesamtdurchlauf des Albums wirklich Sinn macht, denn insgesamt fällt „Paint your perfect day“ äußerst bedächtig und ruhig aus.

„We Are Alive“ besitzt da schon mehr Drive – aufmerksamen Hörern entgeht aber nicht, dass es sich dabei um eine Coverversion von Paul van Dyk handelt, der damit im Jahr 2000 die Charts stürmte. Im Vergleich zum Original deutlich entschleunigt, wird aus der ehemaligen Dance-Trance-Nummer ein sehr reduzierter Singer-Songwriter-Titel, der statt mit weiblichen mit männlichen Vocals auftrumpft. Viel Nähe zum Ursprungstitel ist damit nicht mehr vorhanden, da stilistisch einiges gedreht wurde, nichtsdestotrotz oder gerade deswegen ist „We Are Alive“ in der James Ocean Version nicht minder interessant.

Ein weiteres Cover findet sich mit „Video Games“ auf der CD „Paint your perfect day“. Im Original von Lana Del Rey wird in die vorliegende Interpretation jedoch mehr Tempo reingebracht, während der Song auf instrumentaler Ebene viel Ähnlichkeit mit Gotyes „Somebody I used to know“ besitzt. Diese Kombination in Verbindung mit dem rohen, dreckigen Gesang, der hier zum Einsatz kommt, schürt eine eindringliche Atmosphäre, die jene des Originals zwar nicht toppt, aber auf andere Art und Weise zum Ausdruck bringt.
Wäre der Track nicht bereits ein Hit, könnte es in dieser Fassung durchaus einer werden, wenngleich die Klasse des ursprünglichen Songs nicht erreicht wird, aber dies ist bei einer Sängerin wie Lana Del Rey auch von Haus aus schwer.

Auch „Lovely Day“ (einst von R&B Sänger Bill Withers performt) und „Budapest“ (im Original von George Ezra) sind zwei Coverversionen. Damit ist die Quote an bestehenden, dafür neu interpretierten Nummern zwar recht hoch, dennoch lassen sie noch genügend Platz für eigene Songs des Künstlers James Ocean.

Schnell zeigt sich aber gerade an den eigenen Titeln, dass James Ocean in seinen Songaufbauten viel auf Wiederholungen setzt, sodass gerade die temporeicheren Titel für die kurze Dauer ihrer Spielzeit ein wenig grooven, aber nicht immer nachhaltig überzeugen.

James Ocean (Copyright: James Ocean)

James Ocean (Copyright: James Ocean)

„Paint your perfect day“ ist alles in allem kein Pop-Album im herkömmlichen Sinne, denn von moderner glattpolierter 08/15-Produktion ohne individuelle Note spürt man hier nichts. James Ocean bietet daher keine Musik ‚von der Stange‘, auch wenn die Grundbeats seiner Songs teilweise einfallslos vor sich hinplätschern. Immer wieder sorgen aber vereinzelte Elemente wie die Begleitung durch eine Akustikgitarre für kleine Lichtblicke. Die elf Tracks hätten aber allesamt spannender ausfallen können. So ist die Songstruktur meist einfach und die Melodien zu unauffällig.
James Ocean möchte Emotionen erzeugen und transportieren, läuft aber durch die Eintönigkeit innerhalb der Songs Gefahr, seine Titel zu Warteschleifen- oder Wartezimmermusik verkommen zu lassen. Im Hintergrund ist „Paint your perfect day“ daher nicht störend, vordergründig wollen nur wenige Tracks so richtig zünden; vielmehr plätschert das Album mit seiner ruhigen Grundatmosphäre unaufdringlich am Hörer vorbei, was für die richtigen Augenblicke aber sehr schön sein kann. Ein kleiner Soundtrack zum Träumen ist damit geboren, der jedoch noch ausbaufähig ist.

Video

 

Tracklist

01 Come Down
02 We Are Alive
03 Tell Me Why
04 Do The Best
05 Lovely Day
06 Dreams We’ll Never Share
07 Say Goodbye
08 Video Games
09 Wild Horses
10 Just A Minute Away
11 Budapest (Bonus)

Details

James Ocean – Homepage
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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 00.00.2014
Spielzeit: 44:39

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde