Review

Mit einem Bandnamen wie „eisernes Walross“ ist von Anfang an klar, in welche Musikrichtung es stilistisch geht. Bösartiger Sludge mit einem Doom-Bauchplatscher mitten auf die Ohren. Mit zehn Songs gibt es groovige Riffschlachten im Slow-Motion-Takt. Also alles in Deckung, denn wenn diese Kreatur erst einmal ins Rollen kommt, hält sie nichts mehr.

Eins sei vorweg gesagt, Iron Walrus brüsten sich nicht mit einer Neuerfindung des Genres. Vielmehr greifen sie auf gute alte Traditionen zurück, ihren Sound tonnenschwer auf den Hörer niederprasseln zu lassen. Die tiefen Saiten werden also in diabolisch langsamer Geschwindigkeit genutzt, während das Schlagzeug seinen rhythmischen Teil dazu beiträgt. Dennoch werden hin und wieder einige melodische Parts eingeworfen, die in der düsteren Atmosphäre für etwas Abwechslung sorgen.

Für mich persönlich wird „The Plague“ erst ab „Judas“ interessant, weil die Lyrics ab diesem Punkt mehr zusagen und die Platte noch einmal eine Spur misanthropischer wird. Besonders das groovige Bassintro zu eben genanntem Titel ist ein super Einstieg. Ebenso verhält es sich mit der leicht bluesigen Einleitung zu „Seal The Fate“ am Schluss. Genau wie im ersten Song „Here Comes The Plague“ wurde auch hier mit rauschenden Wellen als Sample gearbeitet. Dies verleiht „The Plague“ einen passenden Anfang und ein rundes Ende.

Iron Walrus (Copyright: Iron Walrus)

Iron Walrus (Copyright: Iron Walrus)

Iron Walrus verfolgen auf diesem Album ein überzeugendes Konzept, ich meine, schaut euch die Jungs an, Walross-Sturmmasken und selbst der Sänger wirkt wie die Reinkarnation einer solchen Spezies. Vom Gesang ganz zu schweigen. Auffällig tiefer, kratziger Gesang, den man sich auf den Trommelfellen zergehen lassen muss. Es wird auch nicht davor zurückgeschreckt, den Kehlkopf komplett auszuhöhlen und die Akustik dem Hörer zu präsentieren.

Dennoch schleppt sich „The Plague“ sehr mühsam voran und so ähneln sich die Songs auf Dauer doch sehr stark. Aber so soll es nun mal sein, da die Jungs wie schon gesagt nicht auf Altbewährtes verzichten und ihren Sound so schwer wie möglich klingen lassen wollen. Es ist zwar Doom, aber doch purer Metal. Für nicht geneigte Hörer kann das mit der Zeit anstrengend werden, ohne wirklich für sich selbst besondere Highlights nennen zu können.

Und doch hat „The Plague“ etwas, was einen als Hörer schnell in den Bann zieht. Es ist genau in dem Maße Weltuntergang, dem man noch folgen kann, während einem der Boden unter den Füßen wegbricht. Die Platte groovt, an den richtigen Stellen lässige Riffs und Testosteron wird nur so versprüht. Iron Walrus stehen jedenfalls voll hinter ihrem Vorhaben und es mangelt auch live nicht an Authentizität. Fans und Anhänger des Genres ignorieren meine Bewertung und fügen für sich selbst noch zwei Sterne hinzu. Masse mit Klasse.

Video

Trackliste

01 Here Comes The Plague
02 The Answer
03 Blessed
04 Balanced
05 Judas
06 I Hate People
07 Medial Sin
08 At Work
09 Common Sense
10 Seal The Fate

Details

Iron Walrus – Facebook

Label: Redfield Records
Vö-Termin: 08.03.2015
Spielzeit: 41:55

Copyright Cover: Redfield Records



Über den Autor

Christopher