Review

Die Band Instant Lake serviert ihren Hörern mit dem Debütalbum „Refractory“ eine facettenreiche Portion Darkwave – aufgeteilt auf acht Häppchen respektive Songs.

Dabei scheuen die Italiener nicht, auch mal experimentellere Wege zu beschreiten.
Wie so oft gilt jedoch auch hier: Je verstörender, desto interessanter oder umso schwieriger der Zugang. Der diesbezügliche Spagat will auch Instant Lake nicht immer gelingen. Dies mag eventuell auch daran liegen, dass die Songs auf „Refractory“ allesamt aus Improvisationen heraus entstanden sind. Obwohl Auszüge aus diesen Proberaumsessions gekonnt als Basis genommen werden, um daraus Songs zu kreieren, bleiben jene stellenweise noch zu fragmentarisch.

Besser gelingt ihnen der Mix unterschiedlicher Stile. Während Post Punk und New bzw. Darkwave den Grundton von „Refractory“ angeben, verpassen Instant Lake diesen Genres durch Einflüsse von EBM, Shoegaze oder Minimal eine kleine Frischzellenkur. Das Ergebnis gibt sich schließlich mal tanzbar, mal schwelgerisch-tragend.

In seltenen Fällen dominiert die experimentelle Seite, die auch schon mal – wie bereits erwähnt – verstörende Klänge nach sich zieht, wie etwa in „Vojage“ zu hören. Der „Gesang“ spielt in diesem Track eher eine Nebenrolle und wird auf verzerrte sprachsampleartige Darbietungen reduziert. Positiv daran ist jedoch die Andersartigkeit, denn schnell kann sich der permanente genretypische Gebrauch von Halleffekten, der auf „Refractory“ entsprechend gerne Verwendung findet, auf Albumlänge abnutzen. Dies weiß das unbequeme „Vojage“ zu verhindern.

Instant Lake (Copyright: Instant Lake)

Anders „Sink Down“. Dieser Titel fällt insgesamt sehr stimmungsvoll aus, hätte gesanglich aber melodischer sein können. Gerade hier wirken die Hall- und Echoeffekte auf der Stimme der Atmosphäre des Songs derart entgegen, dass die Intensität zu sehr verloren geht. Schade, denn der Track hätte zu einer eindringlichen Nummer werden können, die auch den Verlauf an tanzbaren Songs (wie das vorausgehende „Prime“ und das noch temporeichere „Do Whip“) hervorragend durchbricht.

Mit „Marinai“, dessen Intro durchaus Tarantino-filmtauglich ist, schließen Instant Lake ihr Erstlingswerk, kombinieren tanzbare, angenehm monotone Rhythmen mit atmosphärischen Momenten und vereinen damit die Facetten, die sie auf der Gesamtlänge von „Refractory“ bereits separiert in einzelnen Songs von sich preisgegeben haben.

Darkwave-Fans, die gelegentlich mutig über den Tellerrand schauen, sollten hier ein Ohr riskieren.

Video

Tracklist

01 The Wall Of Prophecy
02 Caustero
03 Sit Back
04 Prime
05 Do Whip
06 Sink Down
07 Vojage
08 Marinai

Details

Instant Lake – Facebook

Label: Danse Macabre / Wave Records
Vö-Termin: 03.11.2017
Spielzeit: 39:33

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde