Review

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, heißt es sprichwörtlich, doch genau das tun wir an dieser Stelle in Bezug auf die EP „Goliath’s End“ von INLEGEND, denn wo INLEGEND draufsteht, sind INLEGEND und ihre melodische und meist raffinierte Hand-hammered Piano Craft auch drin, und damit ist jede Veröffentlichung der Band – ob kostenlos oder kostenpflichtig – eine nähere Betrachtung wert.

Kostenlos gibt es die digitale Version von „Goliath’s End“ seit 24. Dezember 2014 auf der Homepage der Band, kostenpflichtig kann man die EP – dann auch als physisches Exemplar – ab Februar erwerben.

Bereits in der Vorweihnachtszeit spendierten die Mannen um Fronter Bastian Emig ihren Fans an jedem Adventssonntag einen exklusiven Song (wir berichteten). „Maybe“, „Abaresque“, „Reason“ und „Waifs ’n Strays“ hießen die Lieder, zu denen auch Lyric Videos veröffentlicht wurden.
Jene, der Song „No More Weddings“, der anlässlich des erfolgreichen Onlinevotings als Supportact für die Band Beyond The Black als free Download erschien, und ein weiterer Track namens „Wide Awake“ finden sich nun auf der EP „Goliath’s End“ in kompakter und gesammelter Form wieder.
Sechs Songs, die allesamt während der Aufnahmesession zum aktuellen Album „Stones at Goliath“ entstanden sind, es jedoch nicht auf besagten Titel geschafft haben. Ursache dafür sind sicherlich nicht nur das bereits ohne diese Songs üppige Material des Albums (14 Tracks), sondern auch die eher ruhige Seite der nun auf „Goliath’s End“ gepressten Stücke.

So gibt das sehr eingängige und leicht poppige „Reason“ im Kern eine piano-dominierte Ballade ab, die mit mehrstimmigem Gesang bzw. chorartigem Background im Refrain daherkommt, während es mit „Abaresque“, ebenfalls eine Piano-Ballade, noch ruhiger und andächtiger wird.

Auch „Wide Awake“ entpuppt sich als weitere Ballade. Besonders überzeugt hier der gute Gegensatz, gebildet aus sanften Pianoklängen und der leicht rauchig-kratzigen, charakteristischen Gesangsstimme Bastian Emigs.

Doch INLEGEND können auch innerhalb der überwiegend getragenen und bedächtigen Momente immer wieder aus der ruhigen Atmosphäre ausbrechen. Das zeigt vor allem der Opener „Waifs ’n Strays“, der nach leisem Anfang förmlich in einem musikalischen Feuerwerk explodiert. Phasenweise sehr feierlich wirkt der Titel, dessen Refrain sich umgehend in die Gehörgänge festsetzt und zum Mitsingen einlädt.

Das abermals melodiestarke „Maybe“ hingegen weist schon zu Beginn einen gewissen Bombast auf, denn nicht länger steht der Gesang allein im Vordergrund, sondern vor allem die Schlagzeugarbeit sorgt hier für die willkommene Durchschlagskraft. Dass auch dieser Song das Tempo ein wenig anzieht, verschafft der EP auf ein Neues Dynamik und Abwechslung inmitten der Balladendichte.

INLEGEND (Copyright: INLEGEND)

INLEGEND (Copyright: INLEGEND)

Und letztlich präsentieren INLEGEND mit dem Rauswurf „No More Weddings“ den wohl flottesten Song von „Goliath’s End“. Das musikalisch-dynamische Dankeschön an alle Fans der Band birgt rockige Gute-Laune-Musik mit reichlich Livepotenzial, sodass vor allem Konzertbesucher, sofern es nicht auch daheim schon in Dauerschleife läuft, noch einige Male in den Genuss des Liedes kommen werden. Denn wie heißt es so schön in den Versen des Tracks? „We’re gonna rock you until morning light / Rock on! Rock on! / We’re ready for you but we never play weddings. No! / Whatever it takes, whatever may come / On stage we live, on stage we’re free! / We’re hitting the road to rock in your town.“

INLEGEND sind also eine Band für die Bühne, können aber auch für ruhige Augenblicke den richtigen Soundtrack liefern. Somit ist „Goliath’s End“ zusammenfassend mehr als eine – im positiven Sinne zu verstehende – Resteverwertung. INLEGEND bündeln viele getragene, aber trotzdem eindringliche Momente auf der EP, deren Fokus eindeutig auf den Melodien liegt. Und das passt hervorragend in die derzeitige Jahreszeit, wird darüber hinaus aber auch saisonal unabhängig durch Ohrwurm-Garantien für wiederholte Runden im Player sorgen.
Hier greift man nicht nur gerne bei der kostenlosen Variante zu, sondern ist animiert und motiviert, die Band auch durch den Kauf des physischen Exemplars zu unterstützen.

Video

Tracklist

01 Waifs ’n Strays
02 Reason
03 Arabesque
04 Maybe
05 Wide Awake
06 No More Weddings

Details

InLegend – Homepage
InLegend – Facebook
InLegend – Twitter

Label: Eat The Beat Music / Rough Trade
Vö-Termin: kostenloser Download ab 24.12.2015 (begrenzter Zeitraum) / 19.02.2016
Spielzeit: 23:07

Copright Cover: Eat The Beat Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde