Review

Nachdem die Electropop-Band In Good Faith ihre Fans 2015 mit einer „Anthology“, einem Doppelalbum, das sowohl das inzwischen vergriffene Debütalbum „Past Tense Presence“ als auch die EP „It’s Tearing Me Apart“ beinhaltet, versorgt hat, liefern sie nun neues Material in Form des Albums „Trinity“.

Darauf lassen sie nichts unversucht, um einer breiten Masse an Hörern zu gefallen und so fällt „Trinity“ mit seinen elf Songs sehr abwechslungsreich aus. Ruhigere Töne werden ebenso angeschlagen wie Tanzbares serviert wird, sowohl in Deutsch als auch in Englisch präsentiert man die Lyrics der Songs und sollten In Good Faith damit noch nicht punkten können, bieten sie vorsichtshalber noch einen Remix des Songs „Shadows“ von den Industrial-Alternative Rockern Terrolokaust aus Barcelona sowie eine Coverversion des Titels „Love Will Tear Us Apart“ (im Original von Joy Division).

Coversongs – erst recht von einem beliebten Track wie „Love Will Tear Us Apart“ – gehen und zünden doch eigentlich immer, oder etwa nicht? Auf „Trinity“ an letzter Stelle und somit als Rauswurf platziert, vermutet man zunächst, dass dieser Evergreen das Album eingängig und würdig abschließt und In Good Faith damit sowohl sich als auch Joy Division gerecht werden. Leider entpuppt sich die Interpretation aber eher als Live-Nummer, da gerade im prompt mitsingbaren Refrain entscheidende Textzeilen gesanglich ausgelassen werden. Während das Live-Publikum in diesen Parts vermutlich umgehend einspringt, wird der Zuhörer daheim etwas vor den Kopf gestoßen, indem er bereits den allseits bekannten Chorus inbrünstig anstimmt und schließlich von In Good Faith allein gelassen wird.

Ähnlich überrascht ist man vom Abschluss des Songs „Aberration“. Dem durchweg guten Titel mit hoher Eingängigkeit und Depeche Mode-Charme verpassen In Good Faith ein störendes Outro, auf das man gerne verzichtet hätte, nicht zuletzt da es (weder zum stimmungsvollen Anfang noch zum weiteren Songverlauf passend) wie ein Fremdkörper wirkt.

Wie man einen Song auf den Punkt bringt, zeigen In Good Faith aber an anderen Stellen – unter anderem mit dem unaufdringlichen „Shadows“. Und ihnen stehen auch Terrolokaust mit ihrer Remixfassung des Tracks in nichts nach, die dabei mehr Tempo und Abwechslung einbringen und auch auf elektronischer Ebene effektvolle Akzente setzen. Selbst wer kein Freund von Remixes ist, wird hier mitgerissen.

In Good Faith (Copyright: Nicole Bringer)

Textlich und musikalisch gibt es auf „Trinity“ insgesamt aber nur wenige solcher innovativen Momente. In Good Faith setzen auf bewährte Genre-Zutaten, verpacken diese allerdings in ein modernes Soundgewand und sorgen alles in allem für den einen und anderen potenziellen Hit – sowohl in der Playlist der Hörer als auch in den Clubs. Ihre Refrains sitzen auf den Punkt und je simpler ein Song gehalten ist, desto effektiver weiß dieser mitzureißen. In dem auf Nummer sicher erscheinenden Kontext können die hin und wieder eingebrachten Soundeffekte und elektronischen Spielereien jedoch umso mehr auffallen und begeistern, durchbrechen sie doch die 08/15-Synthpop Kost, die dieser Tage zuhauf geboten wird. Diesbezüglich hätten In Good Faith ruhig noch ein wenig mutiger zu Werke gehen können. So bleiben viele Titel auf „Trinity“ zwar durch starke und catchy Melodien im Ohr, lassen die Band aber im Genre nicht herausstechen. Damit fällt „Trinity“ solide aus, wird in seiner Kurzweil dem Synthpop-Fan gefallen und trifft die Erwartungen, geht darüber aber nicht hinaus. Da ist definitiv noch mehr machbar.

Preview

Tracklist

01 The Pick-Up Artist
02 Explore (Album Version)
03 Licht
04 About A Life
05 Choose Our Way
06 Shadows
07 I’ve Lost Control
08 Aberration
09 Lost Moments
10 Shadows (Terrolokaust Remix)
11 Love Will Tear Us Apart

Details

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Label: Echozone / Soulfood
Vö-Termin: 23.02.2018
Spielzeit: 45:23

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde