Review

Wenn alles nichts hilft, dann muss der akustische Defibrillator ran, denn wer nach „Depopulation“ noch nicht wach ist, ist bereits der Totenstarre verfallen. Implores erster in voller Länge ausgelebter Wahnsinn baut sich rund um das musikalische Thema „Grindcore“ auf. Dass man hier nicht gerade mit einem Knabenchor, sondern mit einem schmutzigen und aggressiven Sound konfrontiert wird, sollte man sich vielleicht denken können. Aber Parallelen gibt es hier bestimmt ebenfalls irgendwo.

Jedenfalls besitzen die Jungs die Gnade, nicht direkt zu Beginn in die Vollen zu gehen. Mit „Sentenced“ darf man aber bereits versuchen, das Hirn im Schädel zu halten, da die Geschwindigkeit ab sofort rapide angehoben wird – und zwar mit allem, was Schlagzeug, Gitarre und Bass hergeben. Der dreckige Ton der Gitarre wird stets von dem typischen scheppernden Bass untermalt.

Damit man zwischendurch als Normalsterblicher noch mal Luft holen kann, schieben Songs wie „Thousand Generations“ zusätzlich ein wenig Groove dazwischen. Besonders die Drums sorgen dafür, dass die Saiteninstrumente dabei noch mal so richtig knallen.
Ähnlich verhält es sich mit „Hegelian Dialetic“, welcher zu Beginn gleich die schweren Down-Beats rausholt.

Überhaupt spielt ein leicht doomiger Unterton auf „Depopulation“ eine wichtige Rolle. Auf misanthropisch herunterkrachende Akkorde folgen catchige Riffs. So kommt der wütende Grindcore auch mal zur Ruhe und es entsteht stellenweise sogar eine gewisse Atmosphäre in den Titeln. Am besten kommt all dies auf „Ruthless Conspiracy“ zum Tragen, der beim Hörer wirklich keine Gnade walten lässt und dabei sogar noch gut klingen kann.

Für klaren Gesang lassen Implore nur wenig bis gar keinen Platz, aber Platz ist dafür auch nicht wirklich vorhanden, denn als leidenschaftlicher Hörer solchen Krachs will man schließlich lieber angebrüllt werden. Mit viel Liebe und von ganz unten werden die Vocals rausgedrückt, um den Sound entsprechend abzurunden.

Implore (Copyright: Implore)

Implore (Copyright: Implore)

Viele Neuerungen wird man im Verlauf von „Depopulation“ allerdings kaum erleben und zudem kehren die verschiedenen Elemente immer wieder in die Songs zurück. Vielleicht deshalb, weil es sich einfach bewährt hat. Für den Sample-Noise-Mix auf „Hoax“ hätte man ruhig einen kurzen Grind-Song wie „Cadavers on Parade“ einschieben können, da die Platte mit unter einer halben Stunde für Lückenfüller sowieso schon sehr kurzweilig ist. Aber für Grindcore-Verhältnisse dann doch wieder ziemlich lang.

Hauptsächlich muss man aber sagen, dass Implore mit ihrem Album alles bieten, was man von ebensolchen Expressionen erwartet. Unbarmherzige Schnelligkeit, ein aggressiver Charakter und ab und zu auch mal eine Kreuzung verschiedener Elemente.
Zugriffs-Empfehlung für alle mit verstopften Gehörgängen und Fanatiker von krustigem Grind, der sich nicht unbedingt an neumodischen Einflüssen bedienen muss, um authentisch rüberzukommen.

Anspieltipps:
Thousand Generations / Hegelian Dialectic / Cadavers On Parade / Ruthless Conspiracy / Bohemian Grove

Video

Trackliste

01 Epicyte / Parasite
02 Sentenced
03 Thousand Generations
04 Homo-Consumens
05 Hegelian Dialectic
06 Cadavers On Parade
07 Hoax
08 Anthropocentric Selfishness
09 Iscariote
10 Neo Luddite
11 Ruthless Conspiracy
12 Bohemian Grove
13 Intrincated Scapegoat
14 Inexorale Malignancy

Details

Implore – Facebook

Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 11.09.2015
Spielzeit: 27:52

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Christopher