Review

Zwischen Melancholie und Tanzbarkeit – oder mit tanzbarer Melancholie – meldet sich IAMX-Mastermind Chris Corner nach dem 2015er Album „Metanoia“, der 2016 erschienenen EP „Everything Is Burning (Metanoia Addendum)“ und seinem Ausflug namens „Unfall“ in experimentelle Gefilde mit einem neuen Album zurück und erstrahlt dabei – getreu des Titels – „Alive In New Light“.

Dem hohen Wiedererkennungswert des Ausnahmekünstlers ist es zu verdanken, dass die neun neuen Songs trotz des bewährten und scheinbar unerschöpflichen innovativen Ideenreichtums Corners die klare Handschrift einer IAMX-Produktion tragen.
Und so vermag es auch das achte Studioalbum „Alive In New Light“ nicht nur, dem Musiker selbst als Therapie zu dienen, sondern zudem die Seelen der Zuhörer zu streicheln. Gesanglich sowie durch teils epische Melodien baut IAMX mit jedem Track eine passende Atmosphäre auf, die nicht spurlos am Hörer vorbeigeht. Dabei verströmen insbesondere sich entwickelnde und hervorragend aufbauende Stücke wie „Break The Chain“ oder „The Power And The Glory“ eine Intensität, die beispiellos ist.

Bevor die großen Gefühle aus dem Künstler jedoch (auch auf instrumentaler bzw. elektronischer Ebene) ausbrechen, wird mit dem tanzbaren „Stardust“ gestartet und gleich zu Beginn bereits mit Kat Von D die Gaststimme auf „Alive In New Light“ präsentiert, die ihre Sache in allen vier Songs, an denen sie beteiligt ist, großartig macht und hervorragend mit Duettpartner Chris Corner harmoniert.

Schon darauf folgend strahlt der Titeltrack in der melancholischen Klangwelt, für die IAMX bekannt ist, einen Hauch Optimismus und Hoffnung aus.

Erstmals aufhorchen lässt schließlich „Body Politics“, sticht dieser Titel doch ein wenig aus dem stimmungsvollen Kontext des Albums heraus. Manch einer mag beim Hören den Eindruck gewinnen, als ließe hier Mr. Oizo grüßen; zeitgemäß für das Jahr 2018 adaptiert. Zunächst eventuell gewöhnungsbedürftig, kann sich der Hörer mit jedem weiteren Hördurchgang von „Body Politics“ seinem BPM-lastigen, mitreißenden Charme schließlich doch nicht erwehren.

IAMX (Copyright: IAMX)

Mit einer aufwühlenden, vielschichtig angelegten Soundgrundlage elektronischer Art wartet anschließend „Exit“ auf, wodurch ein effektvoller Kontrast zu den ruhigen Gesangspassagen, die schon fast gesprochen statt gesungen wirken, gebildet wird. Die hier ebenfalls ihren Platz findenden dunklen Beats werden sodann mit der Kombination aus Flamenco-Klängen und Streicher-Arrangements im zärtlich vorgetragenem Duett „Stalker“ abgelöst und auch in „Big Man“ bleibt es experimentierfreudig, greift IAMX hier doch auf jahrmarktmusikalische Klangwelten im Walzer-Takt zurück, um dem Song das gewisse Etwas zu verleihen.

Erst gegen Ende des Albums, nachdem Chris Corner seiner Experimentierfreude Raum geschenkt hat, findet er den Weg zurück zu den gefühlvolleren Ebenen seiner Titel und beendet „Alive In New Life“ schließlich mit einem weiteren Song, der es in das Soundtrackrepertoire der Serie „How To Get Away With Murder“ geschafft hat, sowie mit der eindringlichen Nummer „The Power And The Glory“, die zum Drücken der Repeattaste einlädt.

Emotional, vielschichtig und intensiv, ohne dabei den Grundtenor einer IAMX-Veröffentlichung aus dem Auge respektive Ohr zu verlieren oder die Projekt typischen „Trademarks“ auszulassen, bestätigt Chris Corner mit „Alive In New Light“ seinen Status als Ausnahmekünstler und untermauert dessen Wiedererkennungswert. Eventuell ist aber ein mehrmaliges Hören von Vorteil, um mit jedem einzelnen Song letztendlich warm zu werden.

Video

Tracklist

01 Stardust
02 Alive In New Light
03 Break The Chain
04 Body Politics
05 Exit
06 Stalker
07 Big Man
08 Mile Deep Hollow
09 The Power And The Glory

Details

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Label: Caroline / Universal
Vö-Termin: 02.02.2016
Spielzeit: 40:23

Copyright Cover: Caroline (Universal)



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde