Review

„Not So Long Ago“ heißt der Opener des Debütalbums „Settle your Scores“ der psychedelisch angehauchten und 70er Jahre beeinflussten Hardrock Band Hound aus Deutschland und „not so long ago“ scheinen die 70er Jahre auch vergangen zu sein, vernimmt man erst mal die ersten Töne des Quintetts. Die Mannen um Sänger Wanja Neite katapultieren ihre Hörer mittels Optik und Akustik direkt in diesen Zeitraum der Vergangenheit und spielen mit einem Retro-Rock auf, der an kleinen, aber feinen Details nicht spart.

Gelingt ihnen mit ihrem klassischen Hardrock, der neben psychedelischen Nuancen auch bluesige Parts berücksichtigt, die Adaption an die Neuzeit, lassen Hound zugleich die nostalgischen Gefühle nicht vermissen, die in jedem Song gekonnt und glaubwürdig an die Hörer transportiert werden – allen voran durch den Einsatz der allzu bekannten und für diese Zeit beliebten wie typischen Hammond-Orgel.

Erfreulicherweise wirkt sowohl das Auftreten der jungen, dynamischen Band als auch ihre Spielweise nicht aufgesetzt. Hier ist eine Liebe zu ihrem gespielten Rock heraushörbar, die ansteckt und in allen Belangen authentisch wirkt.
So sitzt ein verfrickeltes Gitarrensolo auf dem Punkt, der Gesang passt wie die Faust aufs Auge zur gewählten Stilistik und orgeltechnisch übertreibt man es nicht, wie manch andere Band, sondern setzt damit (selbst für genrefremde Hörer in erträglichem Maß) Akzente.

Anzumerken ist Hounds Performance auf „Settle your Scores“ jedoch auch, dass sie live vermutlich noch eine Schippe drauflegen können. Denn die Instrumentalparts laden ihre Schöpfer zum musikalischen Ausrasten förmlich ein, für den Sänger bieten die Songs (auch aufgrund ihrer teils vorhandenen Längen) Platz für Improvisationen oder den einen oder anderen zusätzlichen gesanglichen Schlenker und letztendlich verströmen die insgesamt zwölf Songs (u.a. beispielsweise das über 7-minütige „The Secret Commonwealth“) bereits auf dem Album eine gewisse Live-Atmosphäre, die nach einem Auftritt auf einer Bühne geradezu drängt.

Hound (Copyright: Kerstin Loel Photography)

Haben Hound mit ihrem 70er-Jahre Rock auch 2018 einen berechtigten Platz in der Musiklandschaft? Definitiv! Das zeigen nicht nur gegenwärtig entsprechend ausgerichtete Festivals oder Konzertreihen, sondern auch die zunehmende Zahl an Bands, die in diesem stilistischen Bereich ihr (neues) Glück sucht. Nicht zuletzt spricht allerdings der energiegeladene und irgendwie doch zeitlos wirkende Sound von Hound selbst für ihre Daseinsberechtigung. Auch wenn man schon ein Faible für diese Art Musik und eine Leidenschaft für die 70er mitbringen sollte, lädt „Settle your Scores“ durch seine mitreißende Spielweise auch Anhänger anderer Genres zum Hören ein.

Ein wenig stilistisch „open minded“ also? Dann hingehört! Man darf gespannt sein, was in Zukunft von Hound noch kommen wird.

Video

Tracklist

01 Not So Long Ago
02 Jim Vance
03 The Perilous Realm
04 Cursed Place
05 Thoughts & Prayers
06 Not At All
07 The Poacher
08 The Secret Commonwealth
09 Grit
10 Flesh & Bone
11 Settle your Scores
12 Awful Fellow

Details

Hound – Bandcamp
Hound – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 29.06.2018
Spielzeit: 61:07

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde