Review

2011 gegründet, blicken Harpyie mittlerweile auf eine zwar scheinbar noch junge, aber dafür umso ereignisreichere Bandgeschichte zurück, in der sie nicht nur konstant Alben (wie zuletzt „Freakshow“ (2015) und „Anima“ (2017)) veröffentlichten, sondern auch auf Kollegen trafen, die das Quintett nun für sein Re-Recording vom Debütalbum „Blindflug“ als Gastmusiker und Remix-Funktionäre engagierte.

Erstmals erblickte „Blindflug“ 2012 über das Label Trollzorn das Licht der Welt und mit ihm mussten sich Harpyie den einen oder anderen Verriss gefallen lassen. 2018 wollen Harpyie zeigen, dass „Blindflug“ keineswegs seinem Namen gerecht wird. Neu aufgenommen, arrangiert und überarbeitet repräsentiert das als Doppel-CD erscheinende Re-Recording den Ist-Zustand der Band.

Im neuen Soundgewand und durch sechs unveröffentlichte Tracks bzw. alternative Versionen ergänzt wird „Blindflug“ somit auch interessant für all jene, die das einstige Debüt bereits im Regal stehen haben. Darüber hinaus macht die Mitwirkung von Musikern aus Bands wie u.a. Subway to Sally, Feuerschwanz, Tanzwut, Bannkreis, Equilibrium, Soulbound, Vogelfrey, Nachtgeschrei, Metusa und Krayenzeit einen Kauf attraktiv.

Deren Kreationen sind auf der Bonus-CD des Digipaks zu finden – und hier sticht insbesondere „Twoface“ positiv heraus. Die Band Soulbound ist für den zu hörenden Remix des Songs verantwortlich und verpasst dem Titel ein durchschlagendes Industrial Gewand. Der auf Englisch gesungene Song fällt somit unweigerlich auf und beschert der Veröffentlichung einen angenehmen Stilbruch.

Im Rahmen der Bonus-CD ist außerdem der Titel „Die glorreichen Sieben“ explizit zu erwähnen. Mit dem Auftreten von Musikern der Bands Feuerschwanz, Tanzwut, Nachtgeschrei, Vogelfrey, Krayenzeit und Metusa wird dem Track eine stilistische Bandbreite verpasst, die sowohl die Handschrift der einzelnen Akteure aufweist, als auch einen in sich stimmigen Song ergibt, der nicht nur zu einer Band-, sondern auch zu einer Genre-Hymne taugt.

Harpyie (Copyright: Harpyie)

Etwas mehr hätte man allerdings von „Schöne Neue Welt“, interpretiert von Robert „Robse“ Dahn (Equilibrium), erwartet. Zwar gibt er hier die Lyrics wie erwartet schön dunkel und guttural zum Besten, indem der „Originalgesang“ jedoch begleitend beibehalten wird, erzielen die Growls nicht jene Wirkung, die man sich gewünscht hätte. Der Equilibrium-Touch hätte daher weitaus dominanter seinen Platz finden können.

Was die Songs der Neufassung des Debüts angeht, so sparen Harpyie hörbar nicht an Opulenz. Vor allem der ruhige Titel „Legenden“ kommt mit derartigem Bombast daher, dass man ihm unweigerlich eine Soundtracktauglichkeit zuschreibt. Es verwundert daher nicht, wenn die Chöre gegen Ende des Titels den einen oder anderen an das Skyrim-Main-Theme denken lassen.

Aus alt mach neu heißt es also 2018 bei Harpyie. Doch wo andere Bands vielleicht nur aufwärmen, köchelt das Quintett neu und holt sich dafür sogar noch prominente Verstärkung. Gut so, die Fans werden es ihnen sicherlich danken. Und auch Kritiker sowie Neuhörer könnten Harpyie mit dem Re-Recording auf ihre Seite ziehen.

Video

Tracklist

CD 01
01 Gen Siebenbyrgen
02 Hundertdreyssig
03 Nemo
04 Die tanzende Schlange
05 Blindflug
06 Lunas Traum
07 Hexe und Halunken
08 Legenden
09 König und Bettler
10 Irrlichter (mit Johanna Sophie Krins / Bannkreis)

CD 02
01 Die glorreichen Sieben (mit Feuerschwanz, Tanzwut, Nachtgeschrei, Vogelfrey, Krayenzeit & Metusa)
02 Löwenherz (Akustik Version)
03 Elisa (Subway To Sally Remix by Simon Michael)
04 Twoface (Soulbound Remix)
05 Karneval der Kreaturen (Orchestral Remix)
06 Schöne neue Welt (mit Robert „Robse“ Dahn / Equilibrium)

Details

Harpyie – Homepage
Harpyie – Facebook
Harpyie – Twitter

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 26.01.2017
Spielzeit: 43:14 + 27:34

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde