Review

Nachdem sich Harpyie mit ihrem Album „Freakshow“ die Messlatte für alle nachfolgenden Veröffentlichungen selbst sehr hochgesetzt haben, müsste mit dem aktuellen Werk „Anima“ konsequenterweise Großes folgen.

Bereits mit dem dahinter stehenden Konzept („auf „Anima“ schauen Harpyie durch die Augen eines Tieres auf den Menschen und stellen gleichzeitig die Frage, ob es gerade das Tier in uns ist, welches uns menschlicher werden lässt“) denkt die Band auch groß und holt sich für das Intro „Anima“ Unterstützung durch Autor und Satiriker Dietmar Wischmeyer, der als Erzähler in das Album einführt.
Wischmeyer ist jedoch nur ein bekannter Name, der dem Hörer im Laufe der Veröffentlichung akustisch begegnen wird; neben ihm sorgt außerdem Ben Metzner (Feuerschwanz, D’Artagnon) an Flöten und Dudelsack für ein Gastspiel.

Nach dem atmosphärischen Opening können Harpyie die Hörer mit den Songs „Ambra“, „Schneeblind“ und „Flieg“ in ihren Bann ziehen. Treibender, melodischer und mitreißender Folk Metal steht auf dem Programm, während orchestrale Elemente emotionale Momente bescheren.

Dann allerdings folgt der Song „Rasputin“ – und mit ihm sowohl ein Stil- als auch ein Stimmungsbruch, nach denen das Album zu schwächeln beginnt. Die Atmosphäre ist durchbrochen, das Konzept scheint für den Augenblick zerstört, zudem ist der Titel weniger stark melodisch und eingängig als das bisher Gehörte. Es schließt sich weiteres Material an, das Füllqualitäten besitzt, leider aber nicht mehr. Auch textlich verliert „Anima“ mit zunehmender Spielzeit das Besondere. Erst mit „Löwenherz“ und seinen balladesken Zügen gewinnt das Album an eingangs gezeigter Stärke zurück.

Harpyie (Copyright: Harpyie)

Alles in allem gelingt es Harpyie weder an die Qualitäten ihres Vorgängerwerks anzuschließen noch das angestrebte Konzept von „Anima“ konsequent genug durchzuziehen. Nichtsdestotrotz finden hier einige potenzielle Band-Klassiker ihren Platz und mit jedem weiteren Durchlauf werden selbst die Lückenfüller ein bisschen gefälliger.
Dass Harpyie jedoch zu mehr und Größerem in der Lage sind, haben sie bereits unter Beweis gestellt, somit (und im Vergleich dazu) ist aktuell definitiv noch Luft nach oben festzustellen.

Video

Tracklist

01 Anima
02 Ambra
03 Schneeblind
04 Flieg
05 Rasputin
06 Totem
07 Vom alten Eisen
08 Dynamit
09 Jagdfieber
10 Berserker
11 Löwenherz
12 Schöne neue Welt
13 Unter Geiern (Bonustrack)

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 28.04.2017
Spielzeit: 52:07

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde