Review

Es lassen sich neue Lebenszeichen im deutschen Pop-Punk-Bereich erkennen. Und genau da wollen Grizzly aus Karlsruhe mit ihrer ersten Platte „Kidlife Crisis“, die scheinbar weder das Erwachsenwerden noch Wortspiele scheut, auch hin. Debütiert wird mit 14 Songs, einer guten Dreiviertelstunde Spielzeit und einer Menge einschlägigen Rhythmen und Melodien.

Alles, was schweren Pop-Punk ausmacht, Grizzly bieten es den Hörern hier mehrfach an. Dabei erscheinen die Jungs allerdings nie zu weichgespült, obwohl man auch einen Hang zu den typisch eingängigen Riffs in den Hooks hat. Dazu gibt es brachiale Breaks, die einem die Röhrenjeans noch enger an die Beine ziehen lassen.

Tatsächlich bieten Grizzly hier die Art von Punk, die A Day To Remember mit ihren ersten beiden Platten pflegten. Bunt, oft mit guter Laune, aber immer noch sehr roh. Auf „Kidlife Crisis“ hätte man ruhig mehr in diese Richtung gehen können, da ein Großteil der Breakdowns sehr generisch und vorhersehbar wirkt. Chuggige Gitarren im üblichen Rhythmus bringen nicht wirklich Innovationen.

Anders sieht es bei vielen Main-Riffs aus, so wie in „Close At Heart“, der neben einem guten Arrangement auch noch mitreißende Ideen mit sich bringt. Es ist einer der vielen Tracks, die man Arm im Arm mit seinem „Bro“ oder wahlweise einem unbekannten Nachbarn bei einer Liveshow mitsingen kann. Dies hört sich zwar nach unterschwelliger Kritik an, ist es aber nicht. Grizzly bringen auf verschiedenen Songs diese positiven Vibes mit, die sich für das Genre nun mal gehören. Man darf dennoch dafür dankbar sein, dass dieses Prinzip nicht an allen Stellen verfolgt wird.

Obwohl „Kidlife Crisis“ nicht unbedingt mit einer Neuerfindung des Pop-Punk glänzen kann, finden sich doch hier und da ein paar einschneidende Erlebnisse. „No Better Place“ beginnt entgegen der Erwartungen nicht mit der üblichen Abfolge von Akkorden, sondern mit einem dynamischen Gitarren-Lick. Überhaupt geht der Titel gut nach vorne, ohne viel auf die übliche Pop-Formel zurückzugreifen.

Gleichermaßen hinterlässt auch der Gesang einen durchweg guten Eindruck. Die Stimme scheint sehr selbstbewusst und mit viel Kraft hinter dem, was sie von sich gibt. Es gibt sogar ein paar nette variierende Einsätze des Organs. Wo die Leersaiten zuschlagen, ist auch das Geschrei nicht weit entfernt. Solide Performance, sowohl hoch als auch tief immer wieder ein netter Zusatz zum Song.

Grizzly (Copyright: Grizzly)

Grizzly (Copyright: Grizzly)

Mit all den eben genannten Elementen hat man das Gefühl, dass Grizzly jederzeit mit ihrem Sound durchbrechen würden und die schon fast verrosteten Ketten des Pop-Punk sprengen würden. Hier bleibt der Bär jedoch im Käfig angekettet, da man sich nicht wirklich auf innovative Arrangements gefasst machen darf.

Allerdings sind Ansätze und eine Menge Möglichkeiten, dies zu ändern, erkennbar. Mit „Kidlife Crisis“ bekommt man jedenfalls ein durchweg unterhaltsames Album. Nicht allzu repetitiv und mit einer flexiblen Attitüde. Grizzly können sich mit ihrem Debüt sehen und hören lassen.

Video

Trackliste

01 Never Too Late
02 Take Me Away
03 Every
04 Close At Heart
05 Kidlife (Interlude)
06 This Is Life
07 Forever
08 Changing Ways
09 Crisis (Interlude)
10 They Don’t Know
11 I Try To Grow
12 No Better Place
13 The Times We Fall
14 Somewhere In Between

Details

Grizzly – Homepage
Grizzly – Facebook

Label: Department Music
Vö-Termin: 27.05.2016
Spielzeit: 46:32

Copyright Cover: Department Music



Über den Autor

Christopher