Review

2017 betreten Gothminister mit ihrem aktuellen Album „The Other Side“ und laben sich dabei erneut an der Inspirationsquelle des Dunklen und Unbekannten.

Was Mastermind Bjørn Alexander Brem mit dem neuen Output will, wird bereits im Opener deutlich: „Ich Will Alles“. Und genau das gibt er zusammen mit seinen Mitmusikern auch, sodass mit „The Other Side“ ein Album entstand, das einen eingängigen Track nach dem anderen liefert.

Dies eventuell aber noch nicht beim ersten Durchlauf. Dieser wirkt zunächst wie ein guter Querschnitt durch die Veröffentlichungen der beliebtesten Goth Rock- und NDH-Bands der letzten Jahre. Assoziationen zum diesjährigen Tour-Partner ASP werden dabei ebenso geweckt wie jene zu Eisbrecher oder Blutengel, sobald sich weiblicher Gesang in einen Track wie „The Sun“ schleicht und die elektronisch-poppige Ausrichtung an Relevanz gewinnt.
Erst nach mehrmaligem Hören kristallisiert sich zunehmend die eigene Handschrift von Gothminister heraus und die Songs wirken dank hoher Eingängigkeit immer wieder mitreißend und überzeugend.

Zudem wird auf „The Other Side“ nicht an Bombast gespart. Dazu tragen insbesondere die orchestralen Arrangements bei, die im Rauswurf „Somewhere In Time“ sogar klangliche Dimensionen annehmen, wie man sie von Dimmu Borgir kennt, oder dem Track „Red Christ“ einen gar soundtrackwürdigen Beginn bescheren, der mit modernen elektronischen Zusätzen (als guten Kontrast zum Orchester) ergänzt wird.

Gothminister (Copyright: Gothminister)

Ferner ist die Opulenz schon durch die druckvolle Produktion gegeben, für die sich Henning Verlage (Unheilig, Eisbrecher) verantwortlich zeigt.

Wo andere Alben die Spannung nicht halten können, legen Gothminister erst recht noch einen drauf. So folgt einer starken ersten Albumhälfte eine noch stärkere zweite, die mit „All This Time“ eingeleitet wird, während die Übergänge der einzelnen Songs derart ineinander überfließen, dass die Songanordnung sinnvoll und durchdacht erscheint.

Nach knapp 36 Minuten ist „The Other Side“ allerdings bereits durchquert und stellt einen eher kurzen musikalischen Ausflug in diese gotisch angehauchte Region dar, die mit oben genannten NDH- und Pop-Nuancen kokettiert. Doch auch wenn man sich ab und zu an andere Szenegrößen erinnert fühlt, schneidet „The Other Side“ insgesamt hervorragend ab. Schön daher, dass man sich das Album einfach nicht leidhört, sodass die Dauerrotation in Angriff genommen werden kann.

Video

Tracklist

01 Ich Will Alles
02 The Sun
03 Der Fliegende Mann
04 Aegir
05 Red Christ
06 We Are The Ones Who Rule The World
07 All This Time
08 Day Of Reckoning
09 Taking Over
10 Somewhere In Time

Details

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Label: AFM Records
Vö-Termin: 13.10.2017
Spielzeit: 35:33

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde