Review

Ihrem Vorgängeralbum „Last“ bescheinigten wir „anspruchsvolle Musik mit vielseitigen Emotionen“. Ihm lassen Frequency Drift nun „Letters to Maro“ folgen, für das dieses Fazit nicht minder zutreffend ist.

Zu verdanken ist dies ihrer Ambition, Cinematic Progressive Rock zu kreieren, der den Anspruch besitzt, „großes Kopfkino“ bei den Hörern auszulösen. Tatsächlich schaffen das auch die neuen Tracks des Albums, das konzeptuell derart ausgelegt ist, dass die einzelnen elf Songs als einzelne Briefe konzipiert sind.

Im Fokus der dicht arrangierten und klar produzierten Titel steht der Gesang. War auf „Last“ noch Sängerin Melanie Mau zu hören, tritt nun Irini Alexia in deren Fußstapfen – und meistert ihren Job fabulös. Inmitten der beständigen atmosphärischen Parts, der dezent und an passender Stelle eingebundenen Geräuschkulissen und einer Vielzahl an Details sorgt hauptsächlich ihre Stimme für ein hohes Maß an Emotionalität. Das setzt gelegentlich Assoziationen zu der musikalischen Feinfühligkeit einer Band wie The Gathering frei.

Das Line-up von Frequency Drift zu „Letters to Maro“ (Copyright: Frequency Drift)

Zurücklehnen kann sich der Neuzugang am Mikro immer dann, wenn Frequency Drift ihren ausgeprägten instrumentalen Phasen frönen. Jene und die generelle instrumentale Ebene zeichnen sich auf „Letters to Maro“ vor allem darin aus, dass – im Vergleich zu „Last“, das eher von harten Gitarren belebt wurde – teilweise elektronischer zu Werke gegangen wird. Im Ergebnis fällt das Album an diesen Stellen dann äußerst dynamisch und modern aus – selbst in sehr schwermütigen Songabschnitten.

Mal traurig-schön und melancholisch, mal sehr rhythmisch und unbeschwert sowie wenige Male durch einen experimentellen Ansatz und Disharmonien angenehm sperrig nehmen die detailliert ausgearbeiteten Kompositionen ihren Lauf und Frequency Drift die Hörer auf akustische Weise bei der Hand. Das Talent der Band, trotz anspruchsvoller Songkreationen durch den gefühlvollen, oft sehr sachten Gesang äußerst emotional und durch traumhafte Melodien gut zugänglich zu sein, hilft dabei ungemein.

Nichtsdestotrotz muss man bereit sein, sich auf „Letters to Maro“ ein- und die dabei entstehenden Bilder im Kopf zuzulassen. Für ein kurzweiliges Nebenbeihören eignet sich das Album somit nicht – was angesichts der Intensität und Wirkung der einzelnen Stücke auch sehr schade wäre.

Frequency Drift schaffen auf „Letters to Maro“ geschickt und mit einer scheinbaren Leichtigkeit den Spagat zwischen Kunst, technischer Versiertheit, Emotionalität und Zugänglichkeit.

Video

Tracklist

01 Dear Maro
02 Underground
03 Electricity
04 Neon
05 Deprivation
06 Izanami
07 Nine
08 Escalator
09 Sleep Paralysis
10 Who’s Master?
11 Ghosts When It Rains

Details

Frequency Drift – Homepage
Frequency Drift – Facebook

Label: Gentle Art Of Music / Soulfood
Vö-Termin: 13.04.2018
Spielzeit: 60:15

Copyright Cover: Gentle Art Of Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde