Review

„Es ist Zeit, ein neues Kapitel in der metallischen Musikgeschichte aufzuschlagen – es ist Zeit für Follow The Cipher!“

So kündigt das Label Nuclear Blast ihr neues Signing aus Schweden an, das mit dem selbstbetitelten Debüt „irgendwo in der virtuosen Schnittmenge von Nightwish, In Flames und Sabaton angesiedelt, aber dennoch vollkommen eigenständig, innovativ und ziemlich außergewöhnlich [ist]“, so das Label weiter. Mehr noch, nach Nuclear Blast setzen Follow The Cipher „neue Maßstäbe“: Von erstklassiger Musik, umwerfendem Charisma, einer innovativen Konzeption und einer unfassbar begabten Sängerin ist die Rede. Mit schmeichelnden Adjektiven und Vorschusslorbeeren spart das Label bezüglich ihrer neuen Schützlinge nicht. Doch was darf man von einer Formation erwarten, die als so phänomenal beschrieben wird, „dass es einem den Atem raubt“?

Nun, bevor es „Follow The Cipher“ heißt, steht erst mal „Enter The Cipher“ an. Entsprechend eröffnet das Quintett ihr Album mit dem Song dieses Namens. „Enter The Cipher“ zeigt sodann auch schon die Marschrichtung der Band und ihrem Debütalbum an: Sabaton meets Pain meets Amaranthe – um gleich mal den eingangs zitierten Vergleich zu bestätigen und um weitere zu ergänzen.

Während diverse Anklänge an genannte Bands zu hören sind, kann Follow The Cipher tatsächlich auch eine Eigenständigkeit nicht abgesprochen werden. Allein die Leadstimme von Sängerin Linda Toni Grahn verschafft der Band einen hohen Wiedererkennungswert, könnte gleichzeitig aber auch durch ihre permanente „quietschende Aggressivität“ für Meinungsspaltungen unter den Hörern sorgen. Zu ihrem mit Industrial-Anleihen versehenen Metal passt die Frontfrau allerdings hervorragend. Darüber hinaus stellt sie auf „Follow The Cipher“ zuweilen ihre gesangliche Vielseitigkeit unter Beweis, sodass es auch mal nicht allzu inbrünstig auf die Zwölf gibt, sondern vielmehr gefühlvoll, rockig oder glasklar zugehen kann; selbst wenn sie in einer Ballade wie „My Soldier“ noch eine Schippe Gefühl hätte drauflegen können. Aber sei es drum, denn diese „Lücke“ wird von gelungenen Melodien und großflächigen Sounds gefüllt. Für Intensität, Bombast und auch eine gewisse Epik ist damit gesorgt.

Insgesamt halten Follow The Cipher auf ihrem Erstling mit druckvollem Sound nicht hinterm Berg. Umso effektiver explodieren viele anschwellende Titel schließlich mit voller Wucht und offenbaren dabei hymnenhafte Refrains. Mitsingbare (Live-)Hits reihen sich auf dem Album somit aneinander; alles eingebettet in einem bunten, aber gleichzeitig homogenen Stilmix, der sich kaum einer einzigen Schublade zuordnen lässt. Cipher Metal eben. Und der eröffnet der Band eine breite Hörerschaft, da die unterschiedlichsten Stilvorlieben hervorragend und in sich stimmig abgedeckt werden.

Dabei können jedoch die vorkommenden Industrial-Anteile im Metal-Bereich nicht jedermanns Sache sein. Dem vorliegenden Album verhelfen sie allerdings zu einem modernen Gewand. Darüber hinaus beschränken sich Follow The Cipher nicht auf bewährte Samples oder Spielereien bekannter Art, sondern integrieren neue, interessante Sounds effektvoll in ihre Songs. Gerne denkt man diesbezüglich stellenweise an die Band Amaranthe zu ihrer „The Nexus“-Zeit zurück. Die oftmals süßlichen Keyboardmelodien unterstreichen hingegen den Power Metal-Anstrich des Albums, sinfonische Elemente sorgen für eine gewisse Erhabenheit und mit einem Titel wie „Starlight“ stellt man das bisherige stilistische Konzept noch einmal komplett auf den Kopf und gibt sich sogar ein bisschen Core-artig.

„Starlight“ ist außerdem ein Song, der explizit erwähnt werden sollte, da sich Follow The Cipher hierfür Verstärkung geholt haben. Neben Joakim Brodén (Sabaton) sind in diesem Track zudem Nils Patrik Johansson (Astral Doors), Johnny Lindkvist (Nocturnal Rites) und Ronny Hemlin (Tad Morose) zu hören, die ihre jeweils eigene Note mit in den Titel einfließen lassen.

Follow The Cipher (Copyright: Georgios Grigoriadis)

Apropos Sabaton: Dieser Name fiel in unserem Review nun schon einige Male und das nicht ohne Grund. Nicht nur, dass sich Sabaton-Fronter Brodén gastmusikalisch in „Starlight“ aktiv zeigt oder seine Band für stilistische Vergleiche herhält, Follow The Cipher verbindet auch eine enge Freundschaft mit den Landsmännern. Davon abgesehen schrieb und produzierte Bandgründer Ken Kängström bereits einige bekannte Songs mit Joakim Brodén, darunter „Carolus Rex“, der Song, der den Anstoß für Kängström gab, die Band Follow The Cipher zu gründen. Mit Sabaton fing es somit indirekt an und mit Sabaton endet auch „Follow The Cipher“, indem „Carolus Rex“ als Coverversion hier den Rauswurf markiert.

Es wird Nuclear Blast eventuell etwas enttäuschen, aber eine neue Zeitrechnung beginnt mit Follow The Cipher natürlich nicht. Sie werden aber mit ihrem Debüt frischen Wind ins Metal-Genre bringen und sollten definitiv einmal angetestet werden. Wer die Stimme von Frontfrau Linda mag, der wird hier kritiklos glücklich werden.

Video

Tracklist

01 Enter the Cipher
02 Valkyria
03 My Soldier
04 Winterfall
05 Titan’s Call
06 The Rising
07 A Mind’s Escape
08 Play With Fire
09 I Revive
10 Starlight
11 Carolus Rex

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 11.05.2018
Spielzeit: 45:13

Copright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde