Review

Als David Guetta und Jean Michel Jarre der schwarzen Szene, so könnte man Mathieu Mégemont und sein Soloprojekt Fléau eventuell bezeichnen, hört man sich das rein instrumentale Debütalbum, ebenfalls auf den Namen „Fléau“ getauft, zum ersten Mal an. Der Silberling setzt auf den Aufbau von Atmosphäre und schafft dieses Vorhaben auch ohne stimmliche Darbietungen.

Es sind auf „Fléau“ die treibenden, im Ohr bleibenden Tracks, die die eingangs erwähnte Assoziation zu einem „Guetta der schwarzen Szene“ aufkommen lassen. Als Paradebeispiel für einen solchen potenziellen Clubdauerbrenner sei „The Rat“ erwähnt. 80er Jahre Serien oder Filmen wie etwa „Knight Rider“ und „Ghostbusters“ hätte „The Rat“ als Soundtrack oder Theme gutgestanden.  Die ausschließlich analogen Synthesizer, die hier Verwendung fanden, tragen zu diesem Eindruck bei.

„The Rat“ bildet jedoch in dieser Richtung leider eine Ausnahme, denn – abgesehen vom ebenfalls noch temporeich angelegten „Tombes“ – schlagen die restlichen Songs auf „Fléau“ eher ruhigere Töne an und führen den Hörer über die Mehrheit der Spielzeit in sphärisch-atmosphärische Klanglandschaften, welche einen meditativen Charakter aufweisen, eher weniger zum Tanzen geeignet sind und Jean Michel Jarre in Erinnerung rufen.

Die Simulation von Orgelmusik bringt dabei einen sakralen Touch in Titel wie „Foi“, „Blanc Profond“ hingegen versprüht eine leicht gruselige Stimmung durch die darin vorkommenden Cembalo-artigen Töne. Das Grundgerüst der Titel bilden – ob tanzbar oder nicht – zumeist kühle, vom Cold Wave beeinflusste Synthieflächen, die lediglich durch teils vorhandene dunkle Electro-Beats ein bisschen Wärme verpasst bekommen. Vom „kühlen Minimalismus“ ist im Infoschreiben zur CD die Rede und dies kann bestätigt werden, denn mit wenig Mitteln und Effekten erzielt Fléau eine solide Wirkung.

Allen Tracks ist gemein, dass sie mit sanften Einstiegen und Abschlüssen versehen wurden. So passiert es nicht, dass die Hörer abrupt aus der erzeugten Stimmung gerissen werden, sondern durch weiche Übergänge von einem Titel in den nächsten geführt werden.

Auch wenn die langsamen und bedächtigen Songs auf „Fléau“ in ihren Bann ziehen können, so harrt man stets hoffnungsvoll auf einen weiteren Titel wie „The Rat“, der das Gesamtgeschehen des Albums nicht nur auflockert, sondern dem Album auch ein wenig mehr Dynamik verschafft. Ist jener noch ein Track, der durch eingängige Melodien und mitreißende Rhythmen lange im Gedächtnis bleibt, bilden die weiteren Titel eher kurze musikalische Momentaufnahmen, die die Hörer für die Dauer ihrer Spielzeit abholen, sie anschließend jedoch auch genauso schnell wieder allein lassen.

Tracklist

01 Fléau
02 The Rat
03 Tombes
04 Foi
05 Blanc Profond
06 Aube
07 Glass Cathedral

Details

Fléau – Facebook

Label: Reptile Music / Anywave / Altone
Vö-Termin: 28.08.2015
Spielzeit: 36:09

Copyright Cover: Reptile Music / Anywave



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde