Review

So distanziert der Bandname FERN erscheint, so unmittelbar, intim und nah wirken die Klangkünste des neuen Projekts von Paul Seidel (The Ocean, Nightmarer), der hier im Zusammenschluss mit Jan Kerscher (Like Lovers) und Peter Voigtmann (Heads, Hepting) mit dem Erstling namens „EP“ vorstellig wird.

Irgendwo zwischen der Vereinigung der Sounds von Nine Inch Nails und IAMX findet der Silberling mit seinen fünf Tracks stilistisch seinen Platz – und hinkt diesen Bands zwar noch quantitativ, nicht aber qualitativ nach. FERN selbst verorten sich in den Bereichen Dream Pop, Electronic und Industrial und integrieren in ihre Songs entsprechend passende Elemente jener Richtungen. Daraus resultiert auf „EP“ eine vornehmlich ruhige, melancholische Atmosphäre, die den Hörer des Öfteren auf sehr hypnotische Art in ihren Bann zieht.

Musikalisch agieren FERN nach dem Motto „weniger ist mehr“, womit eindeutig Akzente gesetzt werden. Konzentriert auf wenige, aber auf den Punkt gebrachte Effekte, treibt die Band die Atmosphäre der Stücke an. Umso zündender fallen dann die mal quirligen und experimentierfreudig wirkenden elektronischen Zusätze aus, die neben den zahm erscheinenden und dezent gesetzten Electro-Beigaben der „EP“ das gewisse Etwas verleihen.
Darüber hinaus überzeugt zudem die Gesangsstimme, die mit nötigem Gefühl und wohltuender Wärme die Lyrics zum Besten gibt und sich sogar an Kopfstimmpassagen wagt.

Es ist insgesamt schwer, trotz der überschaubaren Anzahl an Songs konkrete Anspieltipps zu nennen, zu unterschiedlich und zu gut fällt jeder einzelne Titel aus. Sollte FERN dieses Niveau auch auf Albumlänge halten, darf man mehr als gespannt sein, was uns aus der Hauptstadt von dieser Truppe zukünftig noch geboten wird.

FERN (Copyright: Björn Lexius Photography)

Bevor es so weit ist, lädt „EP“ zum wiederholten Hören ein und das, obwohl FERN als Abschluss ihren Song „Farewell“ präsentieren, um ein letztes Mal gemeinsam mit ihren Hörern in die Tiefen ihrer Musik abzutauchen. Ein Abschied ist nicht in Sicht, denn davon möchte man anschließend definitiv mehr hören. Es bleibt außerdem die Hoffnung, dass FERN auf einer möglichen kommenden Veröffentlichung auch ein paar Ausreißer in andere Stimmungen servieren werden. Ansatzweise (wie in „Bruises“) blitzt bereits jetzt schon das vorhandene Potenzial durch und es wäre interessant und wünschenswert, dass sich die Band – so schön und wohlig ihre Tracks auch ausfallen – nicht ausschließlich auf die melancholische Seite der Musik limitiert.

Video

Tracklist

01 Minimum
02 Bruises
03 Abysmal
04 Canyons
05 Farewell

Details

FERN – Homepage
FERN – Facebook
FERN – Twitter

Label: FERN Musik / Cargo Records
Vö-Termin: 01.09.2017
Spielzeit: 14:29

Copyright Cover: FERN Musik



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde