Review

Farblos heißt das Romantic Dark Wave Ein-Mann-Projekt des Musikers F. Karnstein, der seine Hörer zurück in die Tiefen der Gothic Ära der 80er Jahre katapultiert. Seine gesammelten Demos inklusive eines bisher unveröffentlichten Songs gibt es inzwischen auf der limitierten 6-Tracks-Vinyl-EP „… und der Regen fällt“, die gleichzeitig die Wartezeit auf ein im Sommer kommendes Album verkürzen soll.

Der Synthesizer läuft heiß, der Bass wabert – die mittlerweile so bunte Gothicszene trägt wieder schwarz. Farblos wird seinem Projektnamen in dieser Hinsicht gerecht, bedenkt man, dass Schwarz keine Farbe ist, und doch ist der Sound des Künstlers alles, aber nicht farblos im übertragenen Sinne. Die musikalische Ausrichtung besitzt ein deutliches Profil, die Songs haben Ecken und Kanten und jeder einzelne Track versteht es, an Emotionen zu rühren, um letztlich die Hörer zu berühren. Dies kann mal derart sein, dass es einen unweigerlich auf die Tanzflächen der dunklen Clubs zieht oder dass man sich in den sowohl deutschen als auch englischen Texten und der Musik von Farblos verliert.

Die Songs von Farblos lassen dabei u.a. den Geruch eines warmen Sommerregens in die Nase steigen, sie umarmen den Hörer auf sanfte Art und Weise, sie lullen wunderbar ein mit lethargischen, monotonen und oftmals repetitiven Klängen. Diese und viele weitere positive Assoziationen ruft „… und der Regen fällt“ hervor und das wundert nicht angesichts der dichten Atmosphäre, die auf der EP herrscht.

Dazu trägt nicht nur die darkwavige Ausrichtung von Farblos bei, sondern auch die Stimme von F. Karnstein. Eindringlich, zart und dennoch kraftvoll ertönt der hin und wieder mit Halleffekten unterlegte Gesang, der zwar in einigen Ohren nicht perfekt im klassischen Sinne erscheinen mag, dafür aber umso gefühlvoller und glaubwürdig die Intentionen der Songs zum Ausdruck bringt.

Farblos (Copyright: Marcus Ordoñez Photographic)

Farblos (Copyright: Marcus Ordoñez Photographic)

Authentizität ist außerdem ein wichtiger Aspekt der EP, denn sowohl der Democharakter der Titel als auch die ehrlich scheinende und in Eigenregie vollbrachte Musik untermauern diesen Eindruck.

In der Summe ist „… und der Regen fällt“ somit ein kleiner Geniestreich, der aber nicht nur authentisch, sondern zugleich äußerst charmant wirkt. Zudem mangelt es Songs wie „Never too late“, „Du fällst“ oder „Winterherz“ nicht an eingängigen Melodien, die sich umgehend im Gehörgang festsetzen.
Dominant sticht hingegen der Bass im reduziert und langsam angelegten „Diurnal Masque“ heraus, der von Cello-Klängen begleitet wird.

Diejenigen, die Bands wie beispielsweise The Cure, Joy Division, The Arch fest in ihrer Playlist verankert haben, sollten auch Farblos dort aufnehmen, ein Projekt, das sich diesbezüglich – ohne die Eigenständigkeit vermissen zu lassen – mehr als harmonisch einfügen wird und der Moderne längst vergessene Tage ins Gedächtnis ruft.
Man darf auf das bald erscheinende Album mehr als gespannt sein! Bis dahin wird „… und der Regen fällt“ in Dauerschleife rotieren. Motivierende 4,5 Punkte für eine nahezu perfekte Veröffentlichung, die hohe Erwartungen auf zukünftiges Material weckt.

Trailer

Video

Tracklist

01 Never too late
02 Du fällst
03 Diurnal Masque
04 Winterherz
05 Auf der Schwelle
06 Reisen

Details

Farblos – Homepage
Farblos – Facebook

Label: Dead Wax Records
Vö-Termin: 26.03.2015
Spielzeit: 28:23

Copyright Cover: Dead Wax Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde