Review

Die Leipziger Band FON erstrahlt im neuen Gewand: Mit dem kommenden Album „Aporia“ hat man sich zum einen dafür entschieden, vorerst zu dritt weiterzumachen, zum anderen gab es einen „Namenswechsel“. Unter Far or Near schlagen Thari, Robby und Richiee nun einen deutlich härteren Ton an.

Dafür sorgt nicht zuletzt Metal-Urgestein Andy Schmidt von Disillusion, der an den Reglern saß, um „Aporia“ den Sound zu verpassen, den es benötigt. Dieser intensive Prozess mündet in zehn neuen Songs, die anders sind als das, was man von der Band bisher kennt.

FON bzw. jetzt Far or Near standen immer für einen sehr emotionalen Gesang sowie für ein richtig gutes Songwriting. Auf „Aporia“ gehen sie diesen Weg konsequent weiter und fügen noch eine weitere Komponente hinzu: Härte!
Der Gesang wird somit aggressiver, die Riffs teilweise sogar metallisch. Das ist man von der Band bis jetzt nur im kleinen Rahmen gewöhnt. Anfangs befremdlich, festigt sich dieser Wandel allerdings mit jedem Durchlauf.

Schon „Aggravation“ spiegelt diesen neuen Stilmix gut wider. Der Gesang bleibt sehr kraftvoll, gibt sich jedoch bereits leicht angeraut und auch die Riffs klingen deutlich härter. Richiee macht wie immer eine sehr gute Figur an den Drums; leider mit etwas weniger Groove, stattdessen wird es progressiver. Thari und Robby stellen nach wie vor einen eigenen Standard für zweistimmigen Gesang dar; hier bekommt man immer noch Gänsehaut.

Hört man dann „Tidal“ das erste Mal, meint man, The Dillinger Escape Plan betreten die Bühne. Doch gerade bei diesem Song fällt auf, dass die Gesangslinien in Kombination mit den Lyrics, die verwendet wurden, nicht so gelungen klingen. Es wirkt teilweise unrund, doch zum Glück ist dies nur sehr selten der Fall.

Bassfreunde werden ebenfalls einen kleinen Tod sterben müssen, denn da Thari sowohl singt, als auch besagtes Instrument bedient, sind es nur einfache Basslinien, die auf „Aporia“ zum Zuge kommen. Durch ein ausschweifenderes Spiel wäre diesbezüglich noch viel mehr Tiefe drin gewesen. Nichtsdestotrotz fesseln Far or Near ihre Hörer mit Mittelteilen wie in „Tidal“ regelrecht an die Lautsprecher.
Wer dennoch die alten FON vermisst, der findet sie schließlich in „Abhaya“ wieder.

Far or Near (Copyright: Far or Near)

Der intensive Einsatz von Effektgeräten wie in „Adrift“ lässt das Trio zudem sehr satt klingen, während hinter „Phi“ auch eine experimentelle Metal-Band stecken könnte. Die Frage ist, ob Far or Near dies auch so nach außen tragen wollen. Schlecht klingt es zumindest nicht.

Mit dem Track „Tao“ kann man dann aber doch ein ganz spezielles Problem haben. Klavier und Streicher ertönen, es ist absolut atmosphärisch. Tharis Stimme tut ihr Übriges. Ein Gänsehautmoment, der als Interlude für einen Krachertrack dienen könnte. Ab der Mitte steigt der Spannungsbogen und Tharis Schreie aus der Ferne gehen unter die Haut. Alles ist perfekt, um danach so richtig durchzustarten – und dann? Feierabend, denn es geht mit einem ruhigen Titel weiter. Hier wurde leider ganz klar Potenzial verspielt. Es hätte andernfalls ein Meisterstück werden können.

Davon abgesehen handeln sich Far or Near aber keine weiteren Kritikpunkte ein. Die Produktion hat ausreichend Druck und die Instrumente sowie der famose Gesang kommen perfekt durch.

Hat man sich also erst einmal an die neue Ausrichtung der Band gewöhnt, entpuppt sich „Aporia“ als ein sehr gutes Album mit kleinen Ecken und Kanten. So etwas passiert aber nach einer Neuausrichtung, und da diese nicht schlecht vollzogen wurde, bleibt nur zu sagen: Weiterhin unterstützen und gerade zu Livekonzerten der Band gehen, denn das ist eine wahre Schau.

Video

Trackliste

01 Thymesis
02 Aggravation
03 Tidal
04 Tao
05 Abhaya
06 Adrift
07 Phi
08 Ryoan-Ji
09 Nadir
10 Fovea

Details

Far or Near – Homepage
Far or Near – Facebook

Label: Kick The Flame Publishing
Vö-Termin: 21.04.2017
Spielzeit: 54:25

Copyright Cover: Kick The Flame Publishing



Über den Autor

Marcus
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