Review

„Good Old Underground“ ist das Ergebnis des internationalen Projekts Ewian, bestehend aus fünf verschiedenen Musikern aus Deutschland, Österreich und Amerika. Alle finden ihre Wurzeln in den unterschiedlichsten Genres der Musikwelt wieder. Dadurch entsteht ein alternativer Sound mit Post-Rock- und elektronischen Einflüssen.

„My Dear Dead Melody“ legt zunächst einmal mit stark verzerrten, an Noise-Rock erinnernden Gitarren los, ganz nach den Wünschen Ewian Christensens, Kopf der ganzen Operation und verantwortlich für Komposition und Gesang. Als Einstieg ist dieser melancholische und atmosphärische Song schon einmal sehr prägend.

Zweiter Titel, „Good Old Underground“, führt diesen dann noch ein wenig weiter, abermals mit verzerrten Noise-Gitarren.
An dieser Stelle kommt auch der solide Gesang gut zum Tragen, obwohl die höheren Töne ein klein wenig danebengehen.

Verdrehte Pianoklänge massieren danach auf „Escape“ angenehm die Gehörgänge. Hinzu kommen Noise-Gitarren. Schon wieder. War es denn so wichtig, die ausgerechnet HIER wieder einzusetzen? Warum nicht die Piano-Schlagzeug-Kombo beibehalten?
Es ist ja nicht verkehrt, so etwas einzubauen, aber man kann mehr aus diesen Effekten rausholen, als nur drei monoton runtergespielte Töne und Tremolo. Ein bisschen Abwechslung im Rhythmus hätte den Titeln durchaus gut getan. Oder alternativ ganz darauf verzichten.

Vielleicht ändert sich etwas in „The Last Poem“. Ok … wieder Klavier … erinnert etwas an den Song davor … Schon wieder Noise?! In genau der gleichen Reihenfolge? Ging „Escape“ noch weiter oder wie? Ich passe. Von mir aus kann man es auch atmosphärischen Shoegaze nennen, ändern tut es rein gar nichts.

Geht das jetzt so weiter? Nein, zum Glück nicht. „Black Star“ bringt wieder etwas Frische ins Geschehen. Wir haben hier diesen typischen Alternative Rock Sound mit psychedelischen Effekten. Erinnert sehr stark an „Creep“ von Radiohead. Wenn man allerdings so darüber nachdenkt, klingt fast jeder Song auf „Good Old Underground“ wie „Creep“. Hauptsächlich mit ähnlich Spannung aufbauender Struktur und langsamen Rhythmen.

Auf der Platte finden sich noch zwei eigene Interpretationen von Herrn Christensen, und zwar von „Zampano“ (Alien Hand Syndrome) und „Looper“ (Slack Armada). Das durchgehende Piano verleiht erstem Song eine drückende Stimmung und ausnahmsweise hier sind die verzerrten Gitarren sehr effektvoll, genauso wie die Vocal-Effects. „Looper“ kommt da dann doch sehr unscheinbar, aber bodenständig daher. Der Drum ’n‘ Bass Teil ist sehr gelungen.

Zu Guter Letzt gibt es noch mal eine Kopie der ersten Songs in Form von „New Born“ sowie ein Elektro Kollabo auf „When I was dead“. Letzteres bringt zum Schluss auch noch mal etwas Abwechslung mit sich … und Noise …

Ewian (Copyright: Ewian)

Ewian (Copyright: Ewian)

Um fair zu bleiben. „Good Old Underground“ ist sehr gut produziert. Hier wurden sich Musiker ins Boot geholt, die ihr Handwerk verstehen. Und das ist auch zu hören, allein schon an den gut eingespielten Instrumenten.

Rückblickend betrachtet bleibt aber auch nach mehreren Durchgängen, bis auf „My Dear Dead Memory“,  kaum etwas hängen. Der Großteil der Songs klingt einfach wie ein Brei aus Distortion, Klavier und Drums, in dem nichts hervorsticht, was in irgendeiner Weise interessant wäre.

Teilweise sind gute Ansätze vorhanden, aber diese werden dann einfach unter einer Wand aus Geräuschen begraben, bevor man überhaupt auf Mehr hoffen konnte. Natürlich klingt alles sehr solide, aber gleichzeitig auch so uninteressant. Da helfen auch melodramatische Lyrics nichts mehr. „Good Old Underground“ weiß nicht so recht, wo es hin soll, was vielleicht daran liegt, dass es krampfhaft versucht, alternativ zu sein und sich darin verliert. Fans von Radiohead oder Placebo können mit dieser Musik durchaus mehr anfangen. Allen anderen sei geraten, vorher reinzuhören.

Video

Trackliste

01 My Dear Dead Memory
02 Good Old Underground
03 Escape
04 The Last Poem
05 Black Star
06 Zampano (Alien Hand Syndrome Remix)
07 We are Not Afraid To Die
08 Looper (Slack Armada Remix)
09 New Born
10 When I Was Dead feat. Fifi Rong

Details

Ewian – Homepage
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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 10.10.2014
Spielzeit: 37:24

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher