Review

Chaney Crabb und ihre prominenten Mannen von Entheos sind endlich mit neuem Material am Start. „Dark Future“ heißt das aktuelle Werk, welches sich deutlich vom Vorgänger abhebt. Man setzt eher auf Grooves, Stimmung und Melodie. Dabei bleibt das technische Level hoch und Chaneys Alien-Sound sowie die immer wieder eingebauten Synthie-Parts erhalten.

Dieser Mix spricht nicht jeden Metal-Fan an, jedoch bringen Entheos etwas Frische in die sonst eher straighte Tech Death-Schiene und könnten für den einen oder anderen somit ein Geheimtipp sein.

Die Aushängeschilder der Truppe sind definitiv ihre Mitglieder: ob Chaney, die mittlerweile allseits bekannte Frontfrau mit der Energie eines Vulkans, Drummer Navene Koperweis, der vorher bei Animals as Leaders für ein massives Schlagwerk gesorgt hat, oder Bassist Evan Brewer, der entweder bei The Faceless oder Animosity seine Muskeln hat spielen lassen.

Musikalisch zeigt „Black Static“ als Opener bereits sehr gut, wohin die Reise geht. Entheos sind 2017 deutlich grooviger und viel weniger deathlastig. Die Riffs sind lässiger und man nimmt sich im Song viel Zeit. Hat der Vorgänger noch vor Doublebass und Blastbeats gestrotzt, hört man auf „Dark Future“ eher die straighten Beats. Jene kommen dafür aber technisch perfekt und mit vielen Spielereien daher. Auch Chaney lässt schon nach kurzer Zeit ihre Alien-Sounds mitspielen, die man entweder liebt oder total unpassend findet.

Sucht man den Song mit der meisten Abwechslung, so wird man mit „Melancholia“ fündig. Hier erwarten den Hörer Grooves und viele schnelle Parts mit dennoch sehr melodischen Gitarrenriffs.

Genau das ist auch die große Stärke des aktuellen Albums: Mehr Atmosphäre und Melodien in die Songs einzubauen. Und das klappt erstaunlich gut, sodass man Stücke vorfindet, in die man sich verlieren kann.

Wie bereits erwähnt, ist die Scheibe technisch auf einem sehr hohen Stand und alle Musiker sind mit ihrem jeweiligen Instrument förmlich verwachsen. Der satte Sound hat in den langsameren Parts eine einlullende Wirkung; wird es hingegen schnell und blastig, wird auch der Sound trocken und eher Necrophagist-artig.

„Sea of Symmetry“ zeigt schließlich noch die eher rockige Seite von Entheos. Er startet verträumt und verknüpft dieses Gefühl mit der bekannten Menge an genial konstruierten Riffs, die die Band ausmachen.

Entheos (Copyright: Entheos)

Es ist jedoch eine Umstellung, dass die Band dieses Mal ein paar Gänge zurückschaltet und etwas gediegener daherkommt. Immer wieder wird ein Thema mit Synthies aufgebrochen, die neuen Wind in die Platte bringen. Das Tempo hat man allerdings herausgenommen und damit auch relativ viel Dampf. Hier hätte man sich deutlich mehr Brutalität gewünscht.

Ist man also die absolute Härte von Entheos gewöhnt, so stößt einen „Dark Future“ erst einmal vor den Kopf. Hat man sich dann aber einmal durchgehört, funktioniert die Scheibe sehr gut und könnte auch als Konzeptalbum durchgehen.

Entheos entwickeln sich weiter und die Fans sollten mitziehen, auch wenn es etwas schwerfällt. Reinhören ist somit angesagt!

Video

Trackliste

01 Black Static (I)
02 White Noise (II)
03 Melancholia
04 Pulse of A New Era
05 Sea of Symmetry
06 Inverted Earth (I)
07 Sunshift (II)
08 Suspended Animation
09 The World Without Us
10 Resonance

Details

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Label: Spinefarm Records
Vö-Termin: 10.11.2017
Spielzeit: 41:34

Copyright Cover: Spinefarm



Über den Autor

Marcus
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