Review

Während man die sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen zur Genüge kennt, sind die Elephants in Paradise bisher eher noch eine Unbekannte im Musikgeschäft. Das soll sich mit dem Debütalbum „Wake Up“ und den darauf präsentierten zehn Songs nun ändern.

Im Modern Metal Bereich möchte sich die Band aus Wien häuslich einrichten und ihm gleich mit „Wake Up“ einen eigenen Stempel aufdrücken. Behilflich dabei ist dem Quartett mit Rockröhre am Mikro vor allem die unkonventionelle Art ihres Songwritings. Originelle, teils progressiv angehauchte Strukturen inklusive diverser geschickt platzierter Rhythmuswechsel, im Sound modern und mit einigen elektronischen Finessen ausgestattet sowie oftmals mit einer Verbeugung vor den klassischen Wurzeln und Traditionen (des Hardrock) versehen scheuen Elephants in Paradise auch (stilistische) Experimente nicht, bei denen sogar Funk- und Jazz-Klänge ihren Platz finden.
Bei dieser mutigen Breitseite an Ideen und Einzigartigkeit ist es mehr als erstaunlich, dass allen Songs auf „Wake Up“ eine Eingängigkeit zu bescheinigen ist, die dafür sorgt, dass das Erstlingswerk nicht nur eine Runde im Player drehen wird.

Insbesondere die starken Refrains fräsen sich dann ins Ohr und setzen sich durch gute Melodien dort fest. Durch diese Stärke fallen somit auch die „experimentellen“ und häufig komplexen Zusätze nicht negativ auf, sondern sorgen vielmehr für das gewisse Etwas, auch wenn sie teils ein wenig sperrig daherkommen. Möglicherweise kann es dennoch und aufgrund dessen erforderlich sein, sich erst einmal in das Album reinhören zu müssen.

Dies trifft auch auf den Leadgesang von Cara Cole zu. Dieser wird sicherlich nicht jedem zusagen und bedarf insbesondere in den Passagen ein wenig Einhörvermögen, in denen sie sehr verschnörkelt und technisch singt. Dadurch verlieren einige Songs partiell zudem etwas an Atmosphäre und Emotion. Einzig ein gewisser aggressiver Grundton bleibt den temporeichen, härteren Songs stets passend erhalten und wird nicht nur auf instrumentaler Ebene, sondern auch auf gesanglicher gut an die Hörer transportiert.

Elephants in Paradise (Copyright: Arnd Oetting)

Etwas verwirrend ist schließlich noch der „Look“ der Band, sieht man sich beispielsweise das Promofoto der Truppe an. Lässt die Optik ein Gemisch aus Gothic, Electro, Industrial Metal, Steampunk und eventuell noch NDH – alles garniert mit einem Hauch SM-Flair – vermuten, klingen Elephants in Paradise mitnichten auch nur nach einer dieser Stilistiken. Selbst die Bezeichnung Modern Metal wird dem Resultat namens „Wake Up“ kaum gerecht, wenngleich beide Komponenten – Modern und Metal – durchaus gegeben sind. Eine bereits bestehende Schublade für die Band aufzumachen, fällt daher schwer; stattdessen fügen sie mit ihrem ganz eigenen musikalischen Auftreten eine neue hinzu. Wer neugierig und aufgeschlossen ist, kann und sollte einen Blick dort hineinwerfen.

Video

Tracklist

01 Forever Free
02 Feeding A Lie
03 Breaking Bad
04 Wake Up
05 Losimg Paradise
06 From Hell
07 Angry Angels
08 Stay Away
09 Love And Hate
10 We Are Here

Details

Elephants in Paradise – Homepage
Elephants in Paradise – Facebook

Label: Edelstahl Records (Danse Macabre Records) / Al!ve
Vö-Termin: 16.02.2018
Spielzeit: 39:13

Copyright Cover: Edelstahl Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde