Review

Schon immer in ihren Texten zwischen Diesseits und Jenseits wandelnd, krönen Eden Weint Im Grab ihre bisherige musikalische Reise, die sie selbst als „schwermetallische Schauerromantik“ bezeichnen, durch diese Welten mit dem aktuellen und inzwischen bereits siebten Album „Na(c)htodreise“.
Und lassen wir die in diesem Fall wohl tiefschwarze Katze gleich zu Beginn des Reviews aus dem Sack: die Berliner Dark Metal Band veröffentlicht mit „Na(c)htodreise“ nicht nur ihr erstes Konzeptalbum, sondern auch ein wahres Machwerk an morbider Ästhetik in Ton und Text.

Auf 15 Songs und mit einer über 70-minütigen Gesamtspielzeit trumpft das Sextett um Frontmann Alexander Paul Blake mit Gedankengängen zur Fragestellung, was nach dem Tod geschieht, auf, indem sich Hörer gleichsam wie Band auf eine Dante-eske Reise durch das Jenseits und die Unterwelt aufmachen. Düster-morbide ist damit der Grundton des Albums, dem es zudem in atmosphärischer Hinsicht nicht an passender Epik, Bombast und Opulenz mangelt.

Zuträglich sind diesbezüglich vor allem die orchestralen Zugaben auf „Na(c)htodreise“, die in ihrer Eleganz und Erhabenheit sowohl den ruhigen Momenten noch mehr (oftmals melancholische) Intensität verleihen als auch den treibenden Metal-Passagen mit einem zusätzlichen dichten Fundament entgegenkommen. Darüber hinaus verleihen sie vielen Songs des Albums im durch Geige, Bratsche und Cello genährten kammermusikalischen Flair, das Eden Weint Im Grab stets anhaftet, einen soundtrackwürdigen Charakter.

Während die Band in einigen Titeln Assoziationen zu einer scheinbaren Zusammenführung der Hauptmerkmale von ASP und Samsas Traum weckt, stellenweise sogar an Equilibrium gemahnt oder (gesanglich) die Black Metal Nuancen betont („Sternenmenschen“), wagt sie an anderer Stelle (mit dem Titel „Die verwaiste Wüstenstadt“) den stilistischen Sprung zu einer Western-artigen Lässigkeit, die umgehend an Tito & Tarantulas Song „After Dark“ aus „From Dusk Till Dawn“ erinnert. Mut, der durch das Gefallen der Hörer sicherlich belohnt wird und besonders auch vom markanten und abwechslungsreichen Gesang profitiert.

Jener gibt sich mal guttural, mal rezitierend und in der Mehrheit der Titel äußerst melodisch – passend zum Grundgerüst der gesamten Songs, denn an eingängigen und schönen Melodien mangelt es „Na(c)htodreise“ nicht.

Eingebettet in diese akustische Opulenz, wird die in Prosa gehaltene Rahmenhandlung; Text und Musik bedingen sich auf „Na(c)htodreise“ ausnahmslos in harmonischer Art, während die deutschen Lyrics eine unmittelbare Nachvollziehbarkeit gewährleisten.

Neben „Die verwaiste Wüstenstadt“ weitere Tracks separiert hervorzuheben, würde den Rahmen des Artikels sprengen, wenngleich es jeder einzelne Song des Albums verdient hätte. Kommen wir also zum Abschluss des Reviews.

Eden Weint Im Grab (Copyright: Yvonne Brasseur)

Je außergewöhnlicher eine Band auftritt, desto polarisierender kann sie wirken. So wird natürlich der persönliche Geschmack immer eine Rolle spielen bei dem Urteil über Ge- und Missfallen einer Veröffentlichung. Rein objektiv betrachtet kann man Eden Weint im Grab mit „Na(c)htodreise“ jedoch nichts vorwerfen. Vom Songwriting über eine stilistisch in sich stimmige und doch facettenreiche Vielfalt bis hin zum poetisch anmutenden und atmosphärischen Konzept und einer druckvollen Produktion ist jedem aufkommenden Kritikpunkt mit einem Gegenargument beizukommen. Der etwaige Vorwurf einer zu ausgeprägten Albumlänge wird somit durch die Tatsache entkräftet, dass das Konzept Raum zum Entfalten benötigt und diesen auch zu nutzen weiß. Der stattlichen Anzahl an Tracks, stimmungsvoll abgeschlossen durch den „Epilog“, kommt deren Abwechslungsreichtum zugute. Und wem es trotz oftmals treibender Dynamik dennoch zu viele langsame Phasen auf „Na(c)htodreise“ gibt, dem sei gesagt, dass Eden Weint Im Grab gekonnt ihre Songs zu steigern wissen und damit Entwicklungen präsentieren, die auch bei mehrmaligem Hören nichts an Reiz verlieren. Ein wahrhaft kunstvoll inszeniertes und umgesetztes Opus an „schwermetallischer Schauerromantik“.

Video

Tracklist

01 TraumTod
02 Bon Voyage (Ein sonderbares Begräbnis)
03 Die astrale Wildnis
04 Der Jenseitstroll
05 Das Höllentor
06 Limbus
07 Der Exitus der Schlangen
08 Kahnfahrt auf dem Acheron
09 Legionen Luzifers
10 Die verwaiste Wüstenstadt
11 In der Toten-Taverne
12 Aevum
13 Sternenmenschen
14 Das große Mysterium
15 Epilog

Details

Eden Weint Im Grab – Homepage
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Label: Einheit Produktionen / Soulfood
Vö-Termin: 31.03.2017
Spielzeit: 70:19

Copyright Cover: Einheit Produktionen



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde