Review

Post Rock aus München. Dafür stehen die Jungs von Duct Hearts nun auch endlich mit ihrem Debüt in voller Länge namens „Feathers“.

Für die Band stehen vor allem Atmosphäre und ein langsames, aber dafür stetig voranschreitendes Tempo im Vordergrund.
Ausgestattet mit einem musikalischen Konzept füllen Duct Hearts die Längen ihrer Songs mit allen möglichen Ideen und Eingebungen aus, variieren dabei von verzerrten bis clean gespielten Riffs, während das Schlagzeug seine Effekte unter einen tragenden Beat beisteuert.

Stellenweise lassen Duct Hearts sogar Anlehnungen an Mathrock zu, versuchen aber, das Ganze so geradlinig wie möglich zu halten; was auch durchweg gelingt. Die Songs bauen sich in sich selbst weiter auf und auch das Arrangement klingt zunächst einmal durchdacht.

Geschrien wird auf „Feathers“ weniger, dafür aber deutlich mehr gesungen. Der Gesang gestaltet sich jedoch merklich durchschnittlich. Nicht dass das ein Problem wäre, doch die Stimme klingt an viel zu vielen Stellen sehr gewollt melodisch und man strapaziert hier seine eigenen Fähigkeiten zu sehr. Es ist nicht schlimm, wenn man nicht mit dem besten Organ gesegnet ist, solange die Vocals im Einklang mit dem instrumentalen Kontext ein gewisses Bild für die Hörer vermitteln. Dies ist auf „Feathers“ jedoch nicht der Fall.

Schnell wird klar, dass die Truppe an sich gute Ideen hat und es auch versteht, diese umzusetzen. Dennoch wirkt es im Laufe der Platte immer wieder wie eine Aneinanderreihung von Einflüssen, die man sich hier und da ausgeborgt hat, um sie irgendwie in den Sound unterzubringen. Eigener Stil oder Identität? Leider oftmals Fehlanzeige.
Zudem wirkt das Album, wenn es hart sein soll, nicht hart genug, und wenn es melodisch zugehen soll, kratzt man lediglich an der Oberfläche des Machbaren.

Duct Hearts (Copyright: Duct Hearts)

Und so geht „Feathers“ am Hörer vorbei mit seinen schweren Rhythmen, bis es dann mit „Piuma“ zu einem kurzen Umbruch kommt. Der Ton wird deutlich härter, die Riffs dynamischer und die Beats deutlich aggressiver. Doch auch dieses Konzept nutzt sich schnell ab und man ist wieder genau da, wo man am Anfang stand; vor allem deswegen, weil sich die Jungs immer wieder in den gleichen Strukturen und Mustern ihres Sounds verlieren, der scheinbar nirgendwo hinführen will und sich viel zu stark nach einem gewollten Loop anhört.

Die musikalischen Intentionen sind klar, doch leider kann man das von der finalen Umsetzung nicht behaupten. So gibt es auf „Feathers“ kaum Momente, die im Gedächtnis bleiben. Und wenn, dann hat man sie irgendwo anders schon gehört. Für ein Debüt ist merklich mehr Luft nach oben.

Video

Trackliste

01 Feathers
02 Spinae
03 Cera
04 Hide
05 Piuma
06 Shell

Details

Duct Hearts – Facebook

Label: time as a color
Vö-Termin: 09.06.2017
Spielzeit: 31:36

Copyright Cover: time as a color



Über den Autor

Christopher