Review

Dessau, 2017: Don’t Try This ist nicht nur ein nett gemeinter Rat, sondern auch eine junge Metalcore Band, die mit „Wireless Slaves“ ihr Debüt feiert.

Metalcore trifft ein bisschen auf Partycore – mit viel Tamtam und einer mächtigen Produktion. Ob das jedoch alles zu einer Glanzleistung führt?

„Suffocation“ sollte als Opener gemäß der Erwartungen eigentlich ohne Kompromisse in die Vollen gehen. Stattdessen ist der Song aber eher eine Liebesschnulze mit unfassbar derbem Sound.
Derbe allerdings im Sinne von völlig überproduziert, sodass die ganze Scheibe oft im Ohr wehtut. Erste Platte hin oder her, wer modern klingen will, der muss umso mehr auf den Mix am Ende hören. Die immer wiederkehrende Subbass unterstützt diesen Eindruck immens.

Doch irgendwie klingt nicht nur der Mix, sondern auch die Songauswahl bzw. das Songwriting sehr unausgegoren. So richtig gehen Tracks wie „When They Rise“ oder „Nothing Is Like Before“ nicht auf.
Abrupte Stopps oder Tempoänderungen, die ohne Vorwarnung auf den Hörer treffen, wirken hier eher unangenehm als wirklich durchdacht. Zwar wird das Schema F der 0-7-8 Riffs etwas durchbrochen, aber das reicht leider nicht aus, um im Gesamten zu überzeugen.

Wer Interesse an Balladenfeeling hat, sollte „Falling Deeper“ mal genauer betrachten, doch Vorsicht: Extrem quietschende Gitarren treffen dabei auf fast schon weihnachtliche Stimmung. In 2005 wäre dieser Track wohl bei Viva im Mittagsprogramm gelaufen.

Die „Krönung“ bilden darüber hinaus zwei Aspekte:
1. „I.W.N.F vs. Plytox“ bringt den Hörer ein ganzes Stück näher an Depeche Mode. Elektro trifft auf einen superdumpfen Sound, der sich selbst wegdrückt. Auch hier gilt: Absolut unangenehm.
2. Die Deluxe Songs. Zwei Demoschnitte aus dem Jahre 2013, die wirklich niemand braucht. Ihr Sound ist ungleich schlimmer und viel unangenehmer als das Hauptprodukt. So etwas kann man vielleicht mal bringen, wenn man zehn Jahre am Markt ist und den Fans etwas Lustiges mitgeben möchte.

Don’t Try This (Copyright: Don’t Try This)

Einzig der Gesang von Fronter Carlo kann häufig überzeugen. Mit Growls oder rauchigem „Kneipengesang“ ist er noch das Glanzstück der Platte.

Zudem wurde „I Will Never Forget“ noch einmal als Pianoversion aufgelegt, was ebenfalls einen Lichtblick auf „Wireless Slaves“ darstellt – und das heißt schon was, wenn wir hier eigentlich von einer Metalcore/Modern Metal Platte sprechen…

Don’t Try This wollen viel und bieten letztlich leider nur wenig. Und so ist der Bandname (vorläufig noch) Programm.

Video

Trackliste

01 Suffocation
02 When They Rise
03 Nothing Is Like Before
04 My Burden
05 Falling Deeper
06 The End Of Everything
07 I Will Never Forget
08 Living A Lie
09 I.W.N.F vs. Polytox
10 Falling Deeper (Demo 2013)
11 The Reqiuem (Demo 2013)
12 I Will Never Forget (Piano Version)

Details

Don’t Try This – Facebook

Label: Boersma Records / Soulfood
Vö-Termin: 31.03.2017
Spielzeit: 52:43

Copyright Cover: Boersma Records



Über den Autor

Marcus
Marcus