Review

Wie gut funktioniert wohl ein Band-Konzept, das versucht Elemente aus gefühlvollem Pop und sphärischem Elektro mit rotzigem Rock zu verbinden? Klingt nach einer ungewöhnlichen, sperrigen Mischung, die schnell in Schräglage kommen kann? Getreu dem Motto: Will viel, kann nichts? Nun, die Gefahr besteht sicherlich. Doch um ehrlich zu sein … irgendwie ist die Mischung auch cool. Glaubt ihr nicht? Dann solltet ihr euch auf jeden Fall das Debütalbum „Make The Big Boys Hire Me“ der deutschen Band DO I SMELL CUPCAKES anhören.

Schon der Name ist ungewöhnlich. Von einer Rock-Band (denn das scheinen die drei Jungs allem voran zu sein) würde man sich einen härteren Namen wünschen. Doch das Trio geht seinen eigenen Weg. Und diesem kann man auf den 14 Tracks des Silberlings folgen.

Den Einstieg macht das scheppernde und treibende „Welcome To Adolescence“, bei dem der Titel fast ironisch zu sein scheint, denn der Song lädt dazu ein, einfach nur hemmungslos die Glieder zu schütteln und ordentlich abzugehen.

Ähnlich geht es dann mit der ersten Single-Auskopplung „Dance On“ weiter. Im ersten Moment fragt man sich bei exotisch-elektronischen Klängen – bin ich noch auf der gleichen Platte? Doch dann setzt das gewohnte Rock-Ensemble ein. Der Song ist schmissig, edgy und geht direkt ins Ohr. Besonders verantwortlich dafür ist wohl die Stimme des Sängers Can Monarc. Denn der klingt im einen Moment rotzig wie Benjamin Kowalewicz von Billy Talent und im nächsten erinnert er an Matthew Bellamy von Muse, der sich in abenteuerliche Tonhöhen emporschraubt.

Doch damit nicht genug, denn der dritte Song „Limits“ offenbart eine weitere Nuance der zunehmend beeindruckenden Stimmvarianz des deutsch-türkischen Leadsängers. Unterstützt von puren Klavierklängen und einem später einsetzenden Trommelwirbel ist es besonders der klare, berührende Sound von Cans Stimme, der diesen Song trägt. Er scheut sich nicht davor, zarte Töne anzuschlagen und diese mal kraftvoll, mal brüchig vorzutragen. Und so steigert sich diese Ballade immer weiter und weiter, bis sie sich in einem wahren Inferno aus Musik gewordenem Gefühl entlädt. Beeindruckend!

Damit reicht es aber immer noch nicht. Das Trio legt noch einen drauf und feuert mit „Alive“ ein wahres Feuerwerk aus Rock und sphärischem Elektro ab. Der Song stimmt direkt positiv und reißt die Hörer mit. Er erinnert hier tatsächlich an Muse, ohne ein fader Abklatsch zu sein. Denn auch wenn das Keyboard genauso gut in einen Song der weltbekannten Indie-Band passen könnte, so erfüllt es hier seinen ganz eigenen Zweck.

Bis zu diesem Punkt also haben wir eine emotionale, rockige, sphärische, fröhliche Band kennengelernt. Dieses Spektrum wiederholt sich nun in den folgenden Songs und wird noch durch verschiedene Faktoren vervollständigt. So ist beispielsweise „Allure“ herrlich rotzig und treibend, bei „Youth“ bestimmt das Schlagzeug den Sound und in „By The Dawn’s Early Light“ serviert uns das Trio den vielleicht härtesten Song der Platte mit kernigem Gitarrenriff und ultraschnellem Sprechgesang. Fordernd, pressend und dabei doch immer noch melodisch.

DO I SMELL CUMPAKES (© Viviane Wild)

Ein besonderes Schmankerl des Albums ist aber „Needles & Ghosts“. Der Song beginnt sachte mit einem herrlich klaren Gesang von Can. Sehnsüchtig, ziehend, lockend entführt der Sänger uns hier, trägt uns weit weg und wir folgen ihm bereitwillig auf den Spuren der warmen Trommelschläge, die seine Stimme untermalen. Ein Song, der einfach nur episch ist. In die gleiche Kerbe schlägt übrigens auch „Twenty Letters“, allerdings deutlich rauer was sowohl Stimme, als auch Instrumente angeht. Doch insgesamt – eine runde Sache!

Was ziehen wir also für ein Fazit? Ist die Mischung aus Pop, Rock und Elektro gelungen? Wir würden sagen: Auf jeden Fall! Allerdings muss man auch zugeben, dass der Silberling mit insgesamt 14 Tracks schon recht lang geworden ist. Auf der einen Seite ein Grund zur Freude, denn so bekommt man viel hörenswertes Material der Newcomer. Auf der anderen Seite besteht allerdings auch das Risiko von den vielen Stilwechseln etwas überfordert zu sein. Doch die Zeit, die es braucht, sich in dieses Album einzuhören, sollte man definitiv investieren. Es gibt hier viele musikalische Perlen zu entdecken.

Anspieltipps
Dance On | Alive | Needles & Ghosts | Twenty Letters

Video

Tracklist

01 Welcome To Adolescence
02 Dance On
03 Limits
04 Alive
05 Alan
06 Allure
07 Youth
08 Needles & Ghosts
09 By The Dawn’s Early Light
10 Alibi
11 Twenty Letters
12 Family First
13 Color My Skies
14 Bring Him Back

Details

DO I SMELL CUPCAKES – Homepage
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Label: HÖPEN MEDIA
VÖ-Termin: 09.02.2018
Spielzeit: 47:01

Copyright Cover: HÖPEN MEDIA



Über den Autor

Silvana
Silvana
A Cat is Purrfect.