Review

Disillusion – musikalisch waren sie für Fans ein heißer Exportschlager in Sachen Melodic Death Metal, für das Album „Back To Times Of Splenders“ gibt es bis zum heutigen Tag viel Lob. Mit „Gloria“ beschritten sie 2006 andere Wege: mehr Rock, mehr Electro. Das war anders, aber dennoch gut. Nun, nach zehn Jahren, veröffentlicht die Band eine neue Platte. Naja, fast, denn auf „ALEA“ findet sich – sozusagen als Teaser für kommendes Material – nur ein einziger neuer Song. Der gleichnamige Track ebnet dennoch den Weg für ein neues Kapitel.

„ALEA“ beginnt sphärisch und geheimnisvoll. Bass und Schlagzeug kommen langsam in Fahrt, während das Anfangsriff in Verbindung mit den treibenden Schlagzeugschlägen für einen gewaltigen Stimmungsaufbau sorgt. Kurz darauf entlädt sich der Track in feinster Post-Rock-Manier. Der Gesamtsound ist sehr homogen und unfassbar fesselnd.

Andy packt seine Engelsstimme aus und überzeugt dabei auf ganzer Linie, da sie so ehrlich wirkt, dass man ihm ein Taschentuch reichen möchte. In der Strophe wird mit Strukturgitarren gearbeitet, die noch einmal etwas mehr Saft in den Track bringen. Am Schlagzeug lässt Jens im Laufe des Titels zudem die Muskeln spielen. Zwischen einfachen Bum-chic und Doublebass-Gewittern mit anschließendem Trommelwirbel ist alles vorhanden. Einer der Vorzeigedrummer aus deutschen Landen.

In der Strophe bleibt der Song ruhig und wirkt sogar einlullend. Zwischen Trance und klassischem Rocksound mogeln sich kleine Metalsounds durch, die eine gewisse Härte in das sanfte Geschehen bringen. Man könnte meinen, dass „Back To Times Of Splenders“ und „Gloria“ aufeinandertreffen und man das Beste aus beiden Platten erhält.

Was richtig rockt, ist das Ende des Refrains, denn hier spielen Disillusion die Metalkarte aus. Man fühlt sich an Gojira erinnert, denn auch Disillusion sind Freunde der progressiven Musik. Das wird mal durch einen interessanten Schlagzeuggroove und mal durch einen spannenden Sound an der Gitarre erkennbar.

Disillusion (Copyright: Disillusion)

Disillusion (Copyright: Disillusion)

Zum Ende nehmen die Jungs den Fuß vom Pedal und lassen Blasinstrumente sowie Gitarrensounds im Raum stehen. Jens haut erneut in die Felle, aber lässt ganz bewusst Platz für die Melodie. So wird es erneut richtig episch und man erwartet jetzt noch viel mehr. Doch dazu kommt es nicht, denn schon ist die „Platte“ vorbei und die Hörer müssen sich in Geduld üben.

Doch nicht verzagen, denn Disillusion sind zurück. Das allein ist ein Grund zum Feiern. Neues Material ist ebenfalls auf dem Weg und „ALEA“ kündigt jenes nicht nur sehr gut an, die EP macht auch klar, dass sich Disillusion weiterentwickelt und nach wie vor Bock auf Musik haben.

Video

Trackliste

01 ALEA

Details

Disillusion – Homepage
Disillusion – Facebook

Label: Kick the Flame
Vö-Termin: 07.10.2016
Spielzeit: 10:21

Copyright Cover: Kick the Flame

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Über den Autor

Marcus
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