Review

Descendants of Cain auch mit ihrem aktuellen Album „Conversations With Mirrors“ noch in die Gothic Rock Schublade zu stecken, könnte falsche Erwartungen wecken, ist diese sehr geradlinige Genre-Zuordnung für die Londoner Band doch längst nicht mehr treffend. Zwar stolpert der Hörer im Rahmen der neuen elf Tracks noch über die eine oder andere Schnittstelle zum Goth Rock, darüber hinaus experimentieren Mastermind D M Kruger und Anhang jedoch mit diversen Stilen und Sub-Genres, die vor allem die besagten Gothic Rock Fans vor den Kopf stoßen könnten.

Weniger experimentierfreudig zeigt sich hingegen die Produktion. Sehr roh und reduziert vermittelt sie einen Sound, der die düstere, melancholische Stimmung der Songs unterstreicht und insbesondere den Wave-Charme des Albums betont.

Die Stimmung des Albums ist es auch, die hier im Vordergrund steht. Dies und die experimentelle Seite der Kompositionen machen aus „Conversations With Mirrors“ zwar ein sehr eindringliches, atmosphärisches Werk, gleichzeitig aber auch eines, dem man sich definitiv mit ausreichend Zeit und Geduld widmen sollte. Hits, Ohrwürmer oder radiotaugliche Tracks zu produzieren, war hier scheinbar nicht das Ziel.

Grenzen Descendants of Cain damit ihre Hörerschaft schon einmal ein, reduziert sich jene einmal mehr durch die teils vorhandene Sperrigkeit einzelner Stücke. „Scaring Crows“ profitiert beispielsweise nur mäßig von den im Hintergrund platzierten elektronischen Zusätzen und auch der stets leicht lethargische Gesang (auch in eher dynamischeren Titeln wie „Shallow“ so wirkend) bedingt zwar die Stimmung, könnte aber auf Albumlänge nicht jedermanns Geschmack treffen.

Descendants of Cain (Copyright: Descendants of Cain)

Anzumerken bleibt diesbezüglich allerdings, dass Descendants of Cain um Variationen bemüht sind und so mal Hall-Effekte, mal Zerrsounds mit der Gesangsstimme kombiniert werden. Aus den Socken hauen die Hörer jedoch vor allem die Momente, in denen die Stimme in den Fokus rückt und mit warmem, dunklem Timbre die Lyrics von Titeln wie beispielsweise „A Thousand Years“ wiedergibt.

Den Höhepunkt der Experimentierfreudigkeit erreicht „Conversations With Mirrors“ mit dem Rauswurf „Lost to the Noise“. Dem auf minimalen Klaviereinsatz basierenden Stück wird das schluchzende Weinen einer Frau zugegeben – was leider nicht den gewünschten Effekt erzielt, sondern das Verlangen nach der Skip-Taste steigert.

An dieser Stelle muss man aber erwähnen, dass Musik, Booklet und Texte ein Gesamtkunstwerk darstellen, auf das der Hörer sich ganz – oder gar nicht – einlassen sollte.

Video

Tracklist

01 Shapes in the Mist
02 These Hands
03 Lost in the Woods
04 Unbreakable
05 Scaring Crows
06 Shallow
07 Let Go
08 A Thousand Years
09 The Echo and the Voice
10 Defiance
11 Lost to the Noise

Details

Descendants of Cain – Homepage
Descendants of Cain – Facebook

Label: Echozone / Bob-Media
Vö-Termin: 21.04.2017
Spielzeit: 43:44

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde