Review

Habt ihr Spaß an langen Songs, ausschweifenden Klanglandschaften und Stücken, in denen man sich mehr als viel Zeit lässt? Dann könnte „Serene“ von Delvoid etwas für euch sein.

Die Jungs aus Oslo fahren mit ihrem Album einen ziemlich interessanten Kurs aus Rock, Prog und Alternative. Die Band mischt in ihre massive Musik viele untypische Sounds und Instrumente, die „Serene“ sehr organisch und ideenreich wirken lassen.

Delvoid stehen außerdem auf Intros, und so trägt gleich der erste Song selbigen Namen. Es ertönt eine Melodie auf dem Bass, die das Fundament bildet. Darauf steigt später ein Klavier zur Untermalung ein. Das war es auch schon, aber mehr braucht es auch nicht, denn die leicht depressive Stimmung kommt auch so ganz gut auf.

„Cocoon“ weist als zweiter Song des Albums schon gut die Richtung der Band auf: Geheimnisvoller und interessanter Alternative Rock, bei dem unweigerlich Assoziationen zu Tool oder Stereotypical Working Class geweckt werden, nur dass Devoid etwas ruhiger wirken. Auch If These Trees Could Talk schwirrt gedanklich im Raum herum.

Der Gesang zeigt sich hier und auch auf dem gesamten Album „Serene“ extrem variabel. Ob akustischer Klargesang oder rauchige Rockröhre, Sänger Alexander scheint alles zu meistern. Dabei ist seine Stimme nicht nervig oder penetrant, sondern sehr angenehm zu hören.

In „Steambreather“ meint man schließlich ein paar Metal-Anleihen zu vernehmen, denn der Song ist im Gegensatz zum Rest des Songmaterials auf „Serene“ etwas kräftiger und damit fast einer der besten Stücke der CD.

Delvoid (Copyright: Delvoid)

Delvoid (Copyright: Delvoid)

Während die Tracks insgesamt ineinander verzahnt sind, sodass „Serene“ zum Durchlauf einlädt, wackelt das Konzept an folgender Stelle: Die massive Ruhe ihrer Musik wirkt oft ermüdend. Ob kurze oder lange Stücke, sie unterscheiden sich kaum. Manchmal hat man das Gefühl, dass in einem 4-Minuten-Song so viel ausgesagt werden will, wie ein 13-minütiger Track es tatsächlich tut. „Diffused“ ist ein Paradebeispiel für viel Song und wenig Aussage. Leider, denn musikalisch sind alle Titel auf einem hohen und guten Niveau. „Tribe“ wartet beispielsweise mit etwas Härte und einem Gespür für Neues auf. So lässt sich in dem mönchartigen Chor ein wenig Depeche Mode heraushören. Mit „Carrier“ fährt Delvoid nochmal einen starken emotionalen Track auf, aber auch dieser kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit einer Schlaftablette zu tun haben.

Delvoid sind gute Musiker mit Drang zur langen Laufzeit. Leider benötigt man für „Serene“ (zu) viel Zeit und diverse Durchläufe, bis das Release ein wenig fruchtet. Die erzwungene intensive Auseinandersetzung mit solch einem Album ist manchmal gut und nötig, im Falle von „Serene“ allerdings kontraproduktiv. Daher können vor allem Fans von zeitlosen Abenteuern gerne mal ein Ohr riskieren.

Video

Trackliste

01 Intro
02 Cocoon
03 Steambreather
04 Transient
05 Diffused
06 Dissembler
07 Tribe
08 Carrier
09 Serene
10 Outro

Details

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Label: Self-Released
Vö-Termin: 13.11.2015
Spielzeit: 72:15

Copyright Cover: Delvoid



Über den Autor

Marcus
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