Review

Wenn Degradead aus Schweden diesen Monat mit ihrem neuen Album den Boden beben lassen, sollte man sich schon mal lieber einen Termin beim Arzt seines Vertrauens machen. Selbstdiagnose: Schmerzen in der Nackengegend. Die selbstbetitelte Platte kommt mit elf Songs voll mit beinhartem Metal, bevorzugt aus dem Thrash- und Death-Bereich.

Außerdem darf man sich auf catchige Riffs und genug Groove einstellen, welche das komplette Album bei Laune halten. Maßstäbe werden zwar keine gesetzt, dafür zeigen sich Degradead in den bewährten Gebieten mehr als versiert. Hier wird alles rausgeholt.

Eigentlich ist genau das dafür ausschlaggebend, warum „Degradead“ gerade so viel Laune macht. Selbst wenn viele Klischees des Genres bedient werden, kommt es immer noch auf die Umsetzung an. Diesbezüglich haben es die Jungs definitiv raus, einen Sound zu kreieren, der einen als Hörer direkt ab „Afterlife“ abholt und zum Schluss mit „Killing Game“ wieder ausspuckt.

Neben typisch zackig gespielten Saiteninstrumenten des Thrash und der Gewalt des Death Metals darf dann auch mal der eine oder andere ruhige Titel im Balladen-Stil nicht fehlen.

Nicht wer schreit, hat Recht? Falsch. Jedenfalls, wenn es um das Luft zerschneidende Geschrei bei Degradead geht. Abgerundet mit ein paar tiefen Growls sowie etwas mehr Brüllerei und man erhält zusätzlich zur musikalischen Substanz noch ein Element, das so richtig in den Sound reinhaut. Dabei sind wir noch nicht mal auf den klaren Gesang eingegangen. Ein wenig Power Metal schwebt da wohl mit, aber im Grunde setzt die Band auch hier wieder auf den typisch epischen Hymnen-Gesang, den auch jeder Sterbliche mitsingen kann.

Degradead (Copyright: Gustaf Sandholm Andersson, 2013)

Degradead (Copyright: Gustaf Sandholm Andersson, 2013)

Im Laufe von „Degradead“ stellt sich allerdings heraus, dass man sich oft an eine gewisse Reihenfolge hält. Zunächst ein paar schnelle Kraftprotze an Songs und im Anschluss daran zur Abkühlung der Gemüter etwas Ruhigeres. Ähnlich verhält es sich mit dem Aufbau der Titel. Dadurch gestaltet sich der Sound immer wieder vorhersehbar, und wenn man nicht gerade nur auf durchgängiges Headbangen aus ist, fehlt es an frischen Überraschungen.

Aber solange jeder Ton an seinem Platz sitzt und jede Snare zur richtigen Zeit malträtiert wird, kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Eine gute Produktion trägt am Ende auch noch ihren Teil zum Ganzen bei.

„Degradead“ ist ein Album für alle Anhänger und praktizierenden Metal-Fetischisten. Es wirkt durch einen modernen Anstrich nicht angestaubt und stellt sich trotz des Thrash-Anteils nicht in die Old-School-Ecke. Ein Album, mit dem man auch auf längere Sicht gesehen noch Spaß haben wird, da hier Energie, Qualität und die geballte Portion Metal zusammenkommen.

Video

Trackliste

01 Afterlife
02 Victimize
03 A New Dawn
04 Morphosis
05 The Blinding Crusade
06 Say Your Last Goodbye
07 The Extinction
08 Dark Veil
09 Neglected
10 Grand Eternity
11 Killing Game

Details

Degradead – Homepage
Degradead – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 41:48

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Christopher