Review

Die Urheber von „Spheres of Madness“ sind zurück. Doch auch, wenn dies einer der prägendsten Songs ihrer Karriere (und zudem einer aus ihrer technischen Phase) ist, sollte man Decapitated natürlich nicht nur auf diesen einen Track reduzieren. Mittlerweile steht die Band für relativ straighten Death Metal und der Hörer freut sich immer, wenn es etwas technischer wird. Die ersten Songveröffentlichungen aus „Anticult“ ließen nach dem schwächeren Album „Blood Mantra“ schon einiges hoffen, doch kann „Anticult“ an die alten Tage anknüpfen?

Opener „Impulse“ erinnert immerhin stark an ihr Werk „Organic Hallucinosis“ (2006) und ist somit schon einmal gekauft. Es wird tatsächlich etwas technischer und sofort ausdrucksstark.
Das Schlagzeug ist perfekt abgemischt und die Gitarre mega fräsend. Wer diesen Sound nicht liebt, ist wohl selbst schuld. Auch die Blasts klingen kräftig, während sich Sänger Rafal Piotrowski von seiner bekannten Seite zeigt. Hier hätte man sich allerdings gewünscht, dass er noch einmal eine Schippe drauflegt, denn für den kraftvollen Sound wirkt er oft zu flach. Dennoch macht er einen guten Job.

Die Jungs arbeiten wie gewohnt mit vielen Grooves und dieses Mal zudem mit etwas mehr Melodie.
„Deathvaluation“ klingt beispielsweise nach aggressivem Punk-Metal. Etwas ungewohnt, aber nicht unbedingt schlecht.

Negativ ins Gewicht fällt jedoch das künstliche „in die Länge Ziehen“. „Anger Line“ veranschaulicht das ganz gut, denn die Riffs catchen einfach nicht und wirken daher eher wie Lückenfüller. Häufig passiert das glücklicherweise nicht und so stößt man auch auf absolute Highlights wie „Kill The Cult“, „One Eyed Nation“, „Earth Scar“ und „Never“. Diese Tracks bringen wieder etwas Flair der alten Platten hervor. Zwar ähneln sich gerade die groovigen Parts etwas, reißen aber dennoch jede Bude ein. Insbesondere „One Eyed Nation“ kann überraschen, da es wie eine frische Version von „Organic Hallucinosis“ klingt.

Decapitated (Copyright: Oscar Szramka)

Mit knapp unter 40 Minuten ist „Anticult“ jedoch leider ziemlich kurz; es hätte gerne noch ein paar weitere Tracks geben dürfen. Leider fallen bei der Kürze des Silberlings zudem die lahmen Parts ziemlich stark ins Gewicht, weshalb sich der Hörer stets auf die Sahnestücke des Albums freut, darüber hinaus aber Gefahr läuft, nicht so genau hinzuhören. Dafür steckt in jedem Song viel Decapitated – so, wie man sie kennt.

„Earth Scar“ bleibt somit der Groovekiller der Platte – mit Verlaub dürfte das der beste Live Track werden.
Punkten können Decapitated außerdem mit dem Gesamtsound. Hier klingt alles wie aus einem Guss und – für die Band ziemlich typisch – tight.

Alles in allem ist „Anticult“ eine ziemlich gute Death Metal Platte mit modernen Zügen. An die Qualitäten der alten Scheiben kommt sie nicht heran, dafür weiß sie mit ihren neuen Reizen zu spielen. Für die kleinen Durchhänger gibt es minimalen Punktabzug. Fans sollten dennoch zugreifen.

Video

Trackliste

01 Impuls
02 Deathvaluation
03 Kill The Cult
04 One Eyed Nation
05 Anger Line
06 Earth Scar
07 Never
08 Amen

Details

Decapitated – Homepage
Decapitated – Facebook

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 07.07.2017
Spielzeit: 37:50

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
Marcus