Review

An Albumtiteln, die den gesamten Platz an Beitragsüberschriften ausreizen, kann man meistens schon sehen, welche Richtung eine Band stilistisch ansteuert. Heute also Dan Deagh Wealcan mit ihrer Platte, bei dessen Namen man als Schreiber hofft, ihn nicht allzu oft benutzen zu müssen, „Two Straight Horizontal Lines And The Organized Chaos in Between: Director’s Cut“.
Bekanntermaßen sind alle Extreme Metal Bands aus Russland ziemlich verrückt, so auch die beiden Jungs aus Moskau. Und so steht experimenteller Mathcore mit Hardcore und als Beilage Noise auf der Speisekarte.

Um der Tradition „Chaos“ treu zu bleiben, wird dem Hörer schon zu Beginn mit „Beware Of Lines!“ erst einmal das Gesicht weggefegt. Dan Deagh Wealcan werfen auf ihrer Platte mit irregulären und abgehackten Rhythmen nur so um sich. Die Kunst dahinter allerdings ist, dieses vollkommene Durcheinander aus Akkorden, Geräuschen und ballerndem Schlagzeug unter Kontrolle zu kriegen. Und das gelingt der Band, bis auf wenige Stellen, recht gut. Man bekommt dadurch genau die Portion Steinhagel ab, die man möchte, ohne sich einen Kopf um Kleinigkeiten zu machen.

Aber Gitarrensaiten aggressiv bis zum Zerreißen zu malträtieren, kann ja (fast) jeder. Darum wurden viele der Titel sehr schizophren gestaltet. Kracht also eine Wand aus Blast und Riffs auf den Hörer, findet man sich abrupt in melodischen und saften Saitenklängen wieder. Ebenfalls verstehen es die Jungs, angenehme Akkorde in für uns Menschen gängigeren Takten unterzubringen.

Natürlich ist diese Musik nicht für jeden etwas. Laien werden sich angewidert die Ohren zuhalten und dieses Album nur als „Krach“ betiteln. Wenn man es aber aus der Sicht eines Fanatikers sieht, ist der Sound einfach nur eine Wohltat. Es ist erstaunlich, wie Dan Deagh Wealcan es schaffen, neben dem ganzen Gewühl eine gewisse Zugänglichkeit zu erschaffen.

Dan Deagh Wealcan (Copyright: Dan Deagh Wealcan)

Dan Deagh Wealcan (Copyright: Dan Deagh Wealcan)

Während das Trommelfell dann schon mal gut zusammengeschlagen wurde, wird man auf den zwölf Songs dann zusätzlich noch angeschrien. Hier wird nicht genrefremd gehandelt, wie mit tiefem gutturalem Gesang oder Ähnlichem, sondern es wird in klassischer Hardcore Manier rumgebrüllt. Dabei klingen die Vocals nicht allzu überzogen heiser und behalten sich eine gewisse Tiefe vor. Ach ja, und gesungen wird auch. Ziemlich gut sogar und die Stimme passt sich gut der drückenden Stimmung an.

Komplexe Songstrukturen à la The Dillinger Escape Plan treffen auf Converge Hardcore Energy. Abgerundet mit ein paar innovativen und groovigen Riffs, sowie elektronischen Nuancen. Ab und zu verliert man sich im Getümmel und auch an dem Wiedererkennungswert könnte etwas gearbeitet werden, das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen.

Wer also auf eine brachiale Schale und einen melodischen Kern steht, sollte dieser Platte ruhig eine Chance geben. Bedient wird man hier definitiv mit allem.
Du hast dich normaler Musik abgewendet? Moderner Metal ist dir zu weich? Dann ist Dan Deagh Wealcan deine Psychose!

Video

Trackliste

01 Beware Of Lines!
02 Paranoia? I´m Aim! Assure You!
03 I´m Just Threw Out My Phone and Sanity
04 Logical – Version 3.76
05 Well, Just Burn It Down
06 Det Sista Ljuset
07 iCD10Q031V2010WTF?!
08 The Number Was Too Long, So I Forgot It
09 Defy Yourself B Yourself
10 Mediterranean Sky
11 Pointlessness
12 Tears

Details

Dan Deagh Wealcan – Homepage
Dan Deagh Wealcan – Facebook
Dan Daegh Wealcan – Twitter

Label: Metal Scrap Records
Vö-Termin: 05.02.2015
Spielzeit: 38:22

Copyright Cover: Metal Scrap Records



Über den Autor

Christopher