Review

„Normalerweise ist Österreich als Zentrum der klassischen Musik bekannt, aber bei Cornerstone ist das alles etwas anders, diese Band rockt.“ Die Frage ist nur: Wo und wann? Denn was der Pressetext zum neuen Album „Reflections“ ankündigt, sucht man auf der hier gebotenen poprockigen-AOR-Belanglosigkeit – und immerhin auf soliden zehn Songs – vergebens.

Dabei wurde sich für das dritte Studioalbum durchaus Mühe gegeben und sogar – naheliegend, ist man doch beim US-amerikanischen Label Atom Records unter Vertrag – Produzent Harry Hess, der u.a. schon für Billy Talent und Muse gearbeitet hat, in Kanada hinzugezogen.
Doch auch er vermag es nicht, den Mangel an songwriterischer Raffinesse hinter einer guten Produktion zu verstecken, sodass die Tracks auf „Refections“, dessen Titelgebungen wie „Nothing To Lose“, „Heart On Fire“ oder „Believe In Me“ bereits nicht unbedingt vor Innovation strotzen, bar jeder Highlights und in all ihrer Simplizität am Hörer vorbeiplätschern, ohne einmal aufhorchen zu lassen. Damit sind sie ebenso schnell gehört wie wieder vergessen.

Vor allem die weibliche Gesangsstimme ist es, die das Ganze zusätzlich auf ein Schulband-Niveau katapultiert. Dünn, hell und emotionslos fällt der als tonale Monotonie wahrgenommene Gesang von Alina Peter aus, die versucht, ihre fehlende Stimmkraft durch Lautstärke wettzumachen. Fern von Rockröhren-Charme oder einer angenehmen Klangfarbe kann dies auf Dauer ziemlich an den Nerven des Hörers zerren, sodass ein Instrumentalpart wie in „Once“ – so kurz er auch ausfällt – wie eine kleine Wohltat für die Ohren erscheint.
Hinter ihrer gesanglichen Performance bleiben somit stets gute Ansätze wie die funkigen Anleihen in „True Confessions“ zurück, die mit einer etwas druckvolleren, aussagekräftigeren Stimme weitaus besser gezündet hätten.

Cornerstone (Copyright: Reinhard Müller)

Cornerstone (Copyright: Reinhard Müller)

Wenig aussagekräftig ist neben dem Gesang zudem das Songmaterial an sich. Ein netter Anklang an die guten alten 80er ist immerhin nicht nur in „Last Night“, das an Titelmelodien damaliger amerikanischer TV-Serien erinnert, sondern beispielsweise auch in „Heart On Fire“ zu hören, mit dem Bands wie Europe durchaus grüßen lassen. Doch auch hier zeigt sich, dass der (verbrauchte) Titelname weitaus mehr verspricht, als der Song letztlich bietet. Vermutlich ist es daher nicht verwunderlich, dass mit dem Song kein Herz in Flammen steht, sondern vielmehr gesungen wird: „Dreaming of a heart on fire / Waiting for a heart on fire“.

Auf ein großes Feuerwerk oder wenigstens eine zündelnde kleine Flamme wartet auch der Hörer, dessen Herz über Albumlänge jedoch ziemlich kalt bleibt.
Selbst Fans des Classic Rock bzw. AOR mit starkem Hang zum Pop und Faible für die 80s werden andernorts weitaus besser bedient.
Von „Reflections“ bleibt – abgesehen von einem eher schlechten Eindruck – leider wenig hängen.

Tracklist

01 Nothing To Lose
02 Last Night
03 Heart On Fire
04 Whatever
05 True Confessions
06 Northern Light
07 Brother
08 Sooner Or Later
09 Believe In Me
10 Once

Details

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Label: Atom Records / CDBaby
Vö-Termin: 09.09.2016
Spielzeit: 37:21

Copyright Cover: Atom Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde